Magna, Dimension und Concord

VMware setzt auf Edge Computing, KI und Enterprise Blockchain

Bernhard Haluschak ist als Redakteur bei der IDG Business Media GmbH tätig. Der Dipl. Ing. FH der Elektrotechnik / Informationsverarbeitung blickt auf langjährige Erfahrungen im Server-, Storage- und Netzwerk-Umfeld und im Bereich neuer Technologien zurück. Vor seiner Fachredakteurslaufbahn arbeitete er in Entwicklungslabors, in der Qualitätssicherung sowie als Laboringenieur in namhaften Unternehmen.
Der Virtualisierungsspezialist VMware hat auf der VMworld 2018 in Las Vegas einen Einblick in seine aktuellen Zukunftsprojekte Dimension, Magna und Concord gegeben. Dabei entwickelt das Unternehmen schwerpunktmäßig neue Virtualisierungstechnologien rund um Edge Computing, künstliche Intelligenz und Enterprise Blockchain.
Foto: VMware

Um im Zeitalter des Internet Of Things (IoT) Daten noch schneller an der Datenquelle verarbeiten und analysieren zu können, gehört ein dezentrales Rechenzentrum (Edge Computing) zur Pflichtausstattung eines jeden Unternehmens. Diese Technologie bringt Analyse-, Verarbeitungs- und Speicherfunktionen an den Rand des Netzwerks, um dort große Datenmengen in einem Preprozess "zu sortieren" und gegebenenfalls zur weiteren Verarbeitung in die Cloud oder an ein dediziertes Rechenzentrum zu schicken.

Mehr Services für Edge Computing

Mit dem Projekt Dimension will VMware die speziell für die Cloud entwickelten Funktionalitäten und Services jetzt auch für On-Premise-Datencenter beziehungsweise Edge-Datacenter zur Verfügung stellen. Das bedeutet, dass VMware sein Cloud-Angebot rund um SDDC-Infrastruktur und Hardware as a Service auch auf Edge-Standorte erweitert und sich so um die Verwaltung der Infrastruktur, die Fehlerbehebung, die Durchführung von Patches und Wartungsarbeiten kümmert. Zum Beispiel kann das System durch den integrierten VMware Managed Service bei einer inkonsistenten Netzwerkverbindung selbstständig eine Service-Anfrage auslösen.

VMware vereint Cloud-Funktionalitäten in einer hyperkonvergenten Appliance.
VMware vereint Cloud-Funktionalitäten in einer hyperkonvergenten Appliance.
Foto: VMware

"Es ist eine vollständige von VMware betriebene End-to-End-Umgebung", sagte CEO Pat Gelsinger während der Keynote auf der VMworld. "Projekt Dimension macht den kompletten VMware Cloud Foundation Stack für Edge-, On-Premise-Systeme und die Cloud verfügbar."

Aktuell arbeitet VMware mit den Hardwarelieferanten Dell EMC und Lenovo zusammen. Sie stellen den Unternehmen, die ein Edge-System benötigen, eine hyperconvergente Hardware zur Verfügung. Diese ist so konzipiert, dass sie sich automatisch mit der VMware Cloud verbindet und sich selbst konfiguriert, sobald der Kunden das System aktiviert hat.

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Künstliche Intelligenz hilft bei der Virtualisierung

Noch in der Entwicklungsphase befindet sich das Projekt Magna. Darin vereint VMware künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML), um virtuelle IT-Infrastrukturen aufzubauen, die sich selber optimieren können. So sollen sich künftig Rechenzentrumsumgebung selber überwachen und restrukturieren, um jederzeit in Abhängigkeit der gegebenen Parameter das Maximum an Leistung und Effizienz zu erzielen. Laut VMware analysiert diese Technologie unzählige Messpunkte auf dem System-Stack, angefangen von Anwendungscode, Software- und Hardware-Infrastruktur bis hin zurPublic Cloud und dem Edge. Dabei können die gesammelten Daten der Kontrollpunkte unter anderem dazu genutzt werden, um die Infrastruktur auf KPIs in Bezug auf Leistung, Kosten oder etwa benutzerdefinierten Richtlinien zu optimieren.

In einer Demonstration auf der VMworld zeigte VMware, wie diese Technologie das Verhalten einer bestimmten Anwendung erlernt und verstanden hat, um mit diesem Wissen ein ideales Netzwerk für diese Anwendung zu modellieren. Zum Beispiel kann Magna ein Netzwerk in Bezug auf die gesetzten Leistungsparameter optimieren, in dem es in mehreren Rekursionen und mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse durchKI und MLentsprechend rekonfiguriert. Das Ziel von Magna ist es, eine ständige Automatisierung und Optimierung der gesamten Infrastruktur autonom durchzuführen, so dass sich der IT-Verantwortliche nur noch um die Funktionalitäten der Anwendungen kümmert und sich nicht mehr so stark auf die Lauffähigkeit der IT-Infrastruktur konzentrieren muss.

Blockchain rückt in den Fokus von VMware

Nach einer Entwicklungszeit von mehr als zwei Jahren präsentierte VMware auf der VMworld das Projekt Concord. Das Framework ist eine skalierbare, energieeffiziente, dezentrale Infrastruktur für den digitalen Konsens und die intelligente Vertragsabwicklung inklusive Blockchain, das VMware jetzt der Open Source Blockchain Community zur Verfügung stellt.

"Blockchain fängt an, unter den Workloads der Unternehmensdatenzentren zu erscheinen", sagte O'Farrell, CTO bei VMware. "Wir sehen immer mehr Unternehmen, die Blockchain für intelligente Vertrags- und digitale Konsenslösungen evaluieren. Diese Technologie wird zukünftig eine entscheidende Rolle bei den geschäftlichen Interaktionen zwischen Unternehmen spielen."

Das Projekt Concord beschäftigt sich Blockchain-Technologie und Services von VMware.
Das Projekt Concord beschäftigt sich Blockchain-Technologie und Services von VMware.
Foto: VMware

Die Blockchain bildet ein dezentrales, ununterbrochenes, sequentielles "Buchführungssystem", das auf mehreren, unabhängigen Computern beziehungsweise Knoten repliziert und gespeichert wird. Jeder Knoten folgt identischen Anweisungen (Protokollen), die vorschreiben, wie das gemeinsame Kontobuch (Ledger) mit neuen Transaktionen fortgeschrieben wird und ob diese Fortschreibungen gültig sind. Viele Blockchain-Systeme setzen bei der Validierung von Transaktionen auf ressourcenintensive Proof-of-Work Mechanismen. Sie machen zudem eine umfangreiche Kommunikation zwischen den Knoten nötig, die sich nicht gut skalieren lässt und somit aktuell ein entscheidendes Hindernis für unternehmensübergreifende Blockchain-Umgebungen ist.

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Project Concord will dieses Problem durch Vereinfachung und Rationalisierung der Kommunikation zwischen den Knoten lösen, wodurch eine höhere Skalierbarkeit und ein höherer Gesamtdurchsatz des Netzwerks erzielt werden kann. Dabei sollen ein lineares, konsensorientiertes Kommunikationsprotokoll und schnelle kryptographische Algorithmen (BLS Threshold Signatures) helfen. Darüber hinaus will VMware in die Concord-Engine unternehmensorientierte Elemente wie Audit- und Compliance-Funktionen, Sicherheit und Fehlertoleranz sowie die Integration mit anderen VMware-Angeboten implementieren.

Amazons RDS auch für VMware-Kunden

Mit dem gemeinsamen Dienst "Amazon RDS on VMware" wollen die beiden Anbieter Kunden bessere Möglichkeiten geben, relationale Datenbank-Management-Systeme in hybriden Cloud-Umgebungen aufzusetzen und zu verwalten. Die virtuelle Datenbank RDS soll demnach nicht mehr nur in der AWS-Cloud, sondern auch in lokalen und hybriden VMware-Umgebungen nutzbar sein.

Kunden sollen ihre Datenbanksysteme Microsoft SQL Server, Oracle, PostgreSQL, MySQL und MariaDB mit RDS in VMware-basierten Software-defined Data Centers (SDDC) aufsetzen, betreiben und verwalten können. AWS-Chef Andrew Jassy sagte, Ziel seien ein komfortables Datenbank-Management für VMware-Kunden sowie einfache Möglichkeiten zur Migration in die AWS-Cloud.