VMware und AWS

VMware greift wieder nach der Public Cloud

Dr. Stefan Ried ist IoT Practice Lead & Principal Analyst beim unabhängigen Analysten Haus Crisp Research. Er treibt Marktforschung und berät Anwender und Hersteller im Bereich IoT und Cloud Computing Technologies und Geschäftmodellen. Er hat fundierte Kenntnis des Cloud- und Integrations-Marktes aus 20 Jahren Erfahrung in leitenden Positionen in der Software Entwicklung, dem Produkt Management und dem Produkt Marketing bei internationalen Herstellern. Der Autor hat am Max Planck Institut in Mainz in Physik promoviert.
VMware bietet mit Hilfe von AWS-Infrastruktur wieder direkt Public-Cloud-Services an, diesmal mit Hilfe von AWS Bare-Metal, aber mit eigenem Management. Wirtschaftlich ist das Angebot nur für Kunden mit statischen Legacy Workloads interessant.
  • VMware bietet mit Hilfe von AWS-Infrastruktur wieder direkt Public Cloud Services an.
  • Lesen Sie die Historie der bisherigen Versuche des Virtualisierungs-Software-Herstellers mit eigenen Provider-Angeboten.

Auch wenn beim AWS Summit in Berlin Amazons Prominenz mit Abwesenheit glänzte und weder CTO Werner Vogels noch CEO Andy Jessy für die 5000 Besucher nach Berlin kamen, war der Event doch voll von interessanten Ankündigungen. Die bei weitem wichtigste Ankündigung kam aber von VMware, die verstärkt als AWS-Partner auftreten und erneut Ambitionen in der Public Cloud haben. Bevor wir beleuchten, was es mit der VMware Cloud auf AWS auf sich hat, erlauben wir uns einen kleinen historischen Rückblick zum Thema VMware in der Public Cloud.

Der Virtualisierungs-Spezialist VMware versucht sich erneut als Anbieter von Public-Cloud-Services.
Der Virtualisierungs-Spezialist VMware versucht sich erneut als Anbieter von Public-Cloud-Services.
Foto: phloxii - shutterstock.com
  • Gründung von VMware 1998: Da sprach noch keiner von Cloud.

  • 5 Jahre Enterprise Fokus: Auch heute noch ist der wichtigste Markt für die Virtualisierungs- und Management-Software von VMware das On-Premise Corporate Data Center.

  • 2008 VMware vCloud, der erste Public Cloud Versuch: Der Dienst, der später unter vCloud Air zu finden war, hat auf voller Linie gegen die Hyperscaler verloren und nie Marktanteile erreicht. Im April 2017 hat VMware das verbleibende vCloud Air Business mit allen Rechenzentren und Kunden an den französischen Hoster OVH verkauft.

  • 2010 Microsoft bündelt Hyper-V mit Windows Server: Die Unternehmen liefern sich einen massiven Konkurrenzkampf, in dem VMware ein erstaunlich hohes Preisniveau für den On-Premises/Enterprise Markt halten kann. Heute ist jeder dritte Hypervisor in Unternehmen von Microsoft.

  • 2012 versucht VMware verstärkt die Managed Service Provider anzusprechen: Obwohl zu der Zeit das größte Infrastruktur-Service Volumen hier lag, hat die meisten Managed Service Provider das VMware Lizenzmodell von Investitionen über den direkten Kundenbedarf hinaus abgehalten. VMware gründet auch Joint Ventures, wie die Canopy mit ATOS. Inzwischen hat sich Canopy im ATOS Managed Service aufgelöst und VMware Besitzer EMC hat seine Beteiligung in ATOS Aktien gewandelt.

  • 2016 kristallisieren sich die Hyperscaler heraus: AWS wird von Azure nahezu eingeholt und Google drängt besonders für Cloud-native Anwendungen in den Enterprise Markt. AWS setzt auf XEN (bzw KVM), Azure auf Microsoft Hyper-V und Google auf KVM. Alle Hyperscaler benutzen zunächst ihre eigenen Management Tools. Damit ist nicht nur der Hypervisor-Marktanteil für VMware im am schnellsten wachsenden Infrastrukturmodell NULL, sondern auch der lukrative Tooling-Umsatz massiv unter Druck.

  • 2017 Pivotal verlässt die exklusive Hypervisor-Strategie: Die EMC- und VMware Tochter Pivotal und treibende Kraft hinter dem Open Source Framework Cloud Foundry hatte bis dahin versucht, den Hypervisor als Ressourcenmodell bei Cloud Providern wie der SAP Cloud zu verankern. 2017 ermöglicht Pivotal mit dem Kubo-Projekt das Management von Kubernetes aus Cloud Foundry und die SAP Leonardo Cloud konzentriert sich auch auf Kubernetes-Container mit deutlich weniger VMware Footprint.

  • 2018 erreicht Kubernetes Marktreife bei Hyperscalern: Das bereits 2015 erstmalig von Google veröffentlichte Container-Management-System setzt sich durch. AWS, Azure und natürlich Google bieten Kubernetes-Cluster-as-a-Service an. Damit ist der Weg frei, "fast" alle neuen und nativen Cloud-Anwendungen für Container zu schreiben. Auf welchem Hypervisor die Kubernetes-Cluster laufen, wird vollkommen irrelevant. VMware hat kaum Marktanteile oder eine Strategie für native Cloud-Anwendungen.

  • 2018 VMware auf AWS als neuester Versuch von VMware in der Public Cloud: Dieser Dienst wird direkt von VMware angeboten. Obwohl er auf speziellen AWS Bare Metal Instanzen basiert, hat der Kunde keine Vertragsbeziehung zu AWS.

Diese kleine Abfolge zeigt nicht nur, wie schnell sich dieser Markt ändert. Es wird auch deutlich, wie schnell eine Technik wie die Virtualisierung, also die Abstraktion der Hardware, für viele Anwendungen durch Container, also der Abstraktion des Betriebssystems, ersetzt wird. In den Cloud-Anfängen konnten Unternehmen das Operations-Modell ihrer Anwendungen modernisieren, indem sie die virtualisierte Infrastruktur bei einem Managed Service Provider betreiben ließen. Heute sind diese "virtuellen" Umgebungen die Legacy, VMware eine Commodity und die Modernisierung findet durch ein Aufbrechen der alten Anwendungen in Microservices statt.

Cloud Computing - ein brutaler Markt für VMware

Aus Sicht des Anbieter-Ökosystems ist dieser Markt brutaler als jedes andere Segment im IT- und Technologiemarkt. Die ersten Managed Service Provider, die auf VMware gebaut hatten, waren durch vCloud Air verunsichert, behielten aber ihre Marktanteile, weil VMware vollkommen unterschätzt hatte, was der Betrieb von Rechenzentren bedeutet. Als das Business zu OVH ging, fühlten sich deutsche Größen, wie ATOS, Arvato oder T-Systems dadurch nicht mehr bedroht. Sie hatten mit VMware extrem professionelle Rechenzentren für die lokalen Märkte aufgebaut, die sich mit den Anwendungen füllen, die der Kunden im Kern nicht modernisieren kann. Kaum ein Jahr später riskiert VMware erneut die Loyalität dieser Partner, indem es mit Hilfe von AWS wieder selbst zum Managed Service Provider wird. Ob dieser zweite Anlauf wie schon vCloud Air erneut floppt, hängt nicht nur von den technischen Features, sondern auch von der Ökosystem-Strategie von VMware ab.

Was steckt hinter VMware auf AWS?

Aus der Perspektive eines Enterprise Kunden ist erst einmal wichtig, was diese neue Alternative "VMware auf AWS" überhaupt ist. Es ist ein Dienst von VMware, der auf Basis eines speziell entwickelten Bare Metal Instance Types von AWS beruht. Kunden kaufen aber beides, die VMware Softwarelizenzen und die Hardware direkt von VMware oder einem VMware Reseller. Da die VMware Lizenzen in den allermeisten Fällen heute schon als Subscriptions gekauft sind, kommt hier einfach eine weitere Option für die Hardware dazu. Der Vertragspartner ist also ausschließlich VMware, der das Modell mit Discounts bis zu 25 Prozent bei bestehenden VMware Lizenzen promotet. Falls ein Unternehmen schon AWS Kunde ist, werden diese Hardware-Instanzen im AWS Console gar nicht sichtbar, da VMware ja der AWS-Kunden ist. Damit ist das Geschäftsmodell schon einmal grundsätzlich anders als das Engagement von VMware mit irgend einem anderen Managed Service Provider. VMware hat bisher noch nie IaaS-Dienste unter ihrer Software von einem anderen Dienstleister vertrieben. AWS bekommt eine exklusive Position für dieses Konzept.

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