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Vivendi Universal prüft Verkauf der Spielesparte

07.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um den Schuldenberg von rund 19 Milliarden Euro zu senken, erwägt der Medienkonzern Vivendi Universal, seinen Geschäftsbereich Videospiele zu veräußern. Ein Verkauf könnte nach Schätzungen von Experten bis zu zwei Milliarden Euro in die Kassen des französisch-amerikanischen Unternehmens spülen. Presseberichten zufolge hat der neue Konzernchef Jean-Rene Fourtou aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Laut Insider-Informationen ist der CEO jedoch - im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jean-Marie Messier - der Ansicht, dass Vivendi Universal Games nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens gehöre und somit entbehrlich sei. Als potenzielle Interessenten für den zweitgrößten Anbieter von Computerspielen weltweit werden unter anderem Microsoft, Sega und Sony gehandelt. Zu Vivendi Universal Games gehören die drei renommierten

Spielehersteller Blizzard, Sierra und Universal Interactive. Die drei Firmen erwirtschafteten im vergangenen Jahr zusammen mehr als 600 Millionen Dollar.

Entgegen früherer Spekulationen plant Fourtou offenbar nicht mehr, die 44-prozentige Beteiligung an dem französischen TK-Unternehmen Cetegel an Vodafone zu verkaufen (Computerwoche online berichtete). Der britische Mobilfunkbetreiber hält 15 Prozent an Cetegel und hatte gegenüber Vivendi sein Interesse an weiteren Firmenanteilen angemeldet. Insiderberichten zufolge hält der Vivendi-Chef die Anteile derzeit für zu gering bewertet, als dass sich ein Verkauf lohnen würde.

Auch bei dem geplanten Börsengang des Fernsehsenders Canal Plus muss sich Fourtou in Geduld üben: Aufgrund der schwachen Finanzmärkte und der Größe des Vorhabens rechnen Experten frühestens im März mit einem Going-Public. Um bis dahin Anleger und Gläubigerbanken bei Laune zu halten, bleibt dem CEO nichts anderes übrig, als in der Zwischenzeit andere Vermögenswerte zu veräußern. (mb)