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Vivendi übernimmt MP3.com

21.05.2001
Vivendi Universal zahlt 423 Millionen Euro für den amerikanischen Online-Musikdienst MP3.com. Dessen Technik soll in das geplante "Duet"-Joint-Venture mit Sony einfließen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der französische Mischkonzern Vivendi Universal SA übernimmt für 423 Millionen Euro in bar und Aktien den amerikanischen Musik-Onlinedienst MP3.com. Der Kaufpreis liegt mit fünf Dollar pro Aktie vergleichsweise niedrig - noch 1999 wurden die Anteile für 105 Dollar gehandelt (zu Hochzeiten hatte MP3.com eine Marktkapitalisierung von sieben Milliarden Dollar). Die Technik vom MP3.com wollen die Franzosen für "Duet" einsetzen, ihren geplanten Internet-Musikservice in Kooperation mit Sony (Computerwoche online berichtete). Im vergangenen April hatte Universal aus gleichem Grund bereits Emusic übernommen, das unter anderem die Sites "Rollingstone.com" und "Downbeat.com" betreibt (Computerwoche online berichtete). Duet soll im Sommer ans Netz gehen und konkurriert vor allem mit Musicnet, das auf Basis von Real-Networks-Technik von AOL Time Warner, Bertelsmann und EMI mit Inhalten beschickt wird.

Erstaunlich ist die Übernahme nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Universal und MP3.com noch vor einem halben Jahr in einem heftigen juristischen Clinch lagen. MP3.com hatte im November 2000 gut 53 Millionen Schadenersatz gezahlt, um den Rechtsstreit außergerichtlich beizulegen (Computerwoche online berichtete).

Allerdings drohen der Company noch weitere juristische Unwägbarkeiten im Urheberrechtsumfeld. Ende vergangener Woche reichte außerdem ein Aktionär Klage ein, weil MP3.com beim Börsengang 1999 gegen Aktienrecht verstoßen haben soll. Das Unternehmen habe verschwiegen, dass mindestens zwei der Konsortialbanken von Investoren Provisionen erhalten hatten.