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Vivendi-Ergebnis schockiert die Anleger

16.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Medienkonzern Vivendi Universal schockierte Analysten und Anleger mit einem (vorläufigen) Nettoverlust von 12,3 Milliarden Euro für das erste Halbjahr 2002. Im Vorjahr hatte das französisch- amerikanische Unternehmen noch einen Gewinn von 22 Millionen Euro ausgewiesen. Nachdem Rating-Agenturen wie Standard & Poors oder Moody's Investors Services die Kreditwürdigkeit von Vivendi auf "Junk"-Status herabgestuft haben und der Konzern selbst selbst ein leichtes Liquiditätsproblem einräumt, schließen Analysten nun auch eine Insolvenz in den kommenden zwei Monaten nicht mehr aus.

Wie Vivendi am Mittwoch mitteilte, werden Rückstellungen von 3,4 Milliarden Euro und Abschreibungen in Höhe von rund elf Milliarden Euro das aktuelle Ergebnis stark belasten. Betroffen von den Wertberichtigungen sind vor allem die Sparten Fernsehen, Musik, Unterhaltung, Telekommunikation und Internet: So schlagen die Abschreibungen beim verlustreichen Abo-Sender Canal Plus mit 3,8 Milliarden Euro zu Buche, der Firmenwert der Musiksparte wird um 3,5 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Für Vivendi Entertainment und die Bereiche Internet und Telekommunikation schreibt der Konzern 2,6 Milliarden beziehungsweise 1,1 Milliarden Euro ab. Auf Pro-forma-Basis - also vor Goodwill-Abschreibungen und Einmaleffekten - verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 66 Millionen Euro oder sechs Cent pro Aktie nach einem Plus von 295 Millionen Euro oder 27 Cent pro Anteil im Vorjahr. Im Gegensatz dazu konnte Vivendi die Einnahmen um acht Prozent auf 30,6 Milliarden Euro steigern. Die endgültigen Zahlen

nach US-Gaap will Vivendi im September vorlegen.

Den Schuldenstand bezifferte das Unternehmen zur Jahresmitte mit 35 Milliarden Euro, 16 Milliarden davon bei der Umweltsparte Vivendi Environement, an der Vivendi mit 41 Prozent beteiligt ist. Um die Höhe der Verbindlichkeiten zu senken, plant das Medienunternehmen in den nächsten zwei Jahren Vermögenswerte im Wert von mindestens zehn Milliarden Euro zu veräußern, fünf Milliarden davon in den nächsten neun Monaten. Nach einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro" beabsichtigt Jean-Rene Fourtou, der neue CEO von Vivendi Universal, sämtliche defizitären Verlag-Assets zu verkaufen. Außerdem erwägt das Unternehmen, den Geschäftsbereich Videospiele zu veräußern. Ein Verkauf der Sparte könnte nach Schätzungen von Experten bis zu zwei Milliarden Euro in die Kassen des französisch-amerikanischen Konzerns spülen (Computerwoche online berichtete). Fraglich ist dagegen, ob Fourtou die 44-prozentige Beteiligung an dem französischen TK-Unternehmen Cetegel an Vodafone verkaufen will (Computerwoche online berichtete). Der britische Mobilfunkbetreiber hält 15 Prozent an Cetegel und hatte gegenüber Vivendi sein Interesse an weiteren Firmenanteilen angemeldet. Insiderberichten zufolge hält der Vivendi-Chef die Anteile aber derzeit für zu gering bewertet, als dass sich ein Verkauf lohnen würde.

Fourtou kündigte für den 25. September einen Restrukturierungsplan an, in dem Details der Maßnahmen vorgestellt werden, um die Kassen des Konzerns zu füllen. Branchenexperten erwarten einen harten Sanierungskurs. Parallel verhandelt Vivendi derzeit mit den Banken über einen Kredit in Höhe von drei Milliarden Euro. Zudem sollen 20,8 Millionen Aktien aus Optionsprogrammen gestrichen werden. Nach der Bekanntgabe der schlechten Halbjahreszahlen sank der Kurs der Vivendi-Aktie zeitweise um acht Prozent auf unter zehn Euro, erholte sich jedoch wieder etwas. Nachdem bekannt wurde, dass die Rating-Agenturen Standard & Poor und Moodys die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf "Junk"-Status herabgestuft haben, notiert das Papier am heutigen Freitagmittag bei 9,88 Euro. Insgesamt hat die Vivendi-Aktie damit seit Jahresbeginn rund 80 Prozent an Wert verloren. (mb)