MWC 2019: Die Zukunft des Verkehrs in Megacities

Visa propagiert Idee des Digitalen Tickets

28.02.2019
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Auf dem MWC 2019 (Mobile World Congress) präsentierte sich das Kreditkarten-Unternehmen Visa als Commerce Enabler, der eine Idee zur Lösung der Verkehrsprobleme großer Städte zeigt.
Visa präsentierte sich auf dem MWC als Commerce Enabler.
Visa präsentierte sich auf dem MWC als Commerce Enabler.
Foto: Hill

Sie zahlen noch kontaktlos per NFC oder mit ihrem Smartphone? Dann sind auch Sie bald ein Fossil. Denn die Art, wie wir bezahlen, wird sich nach den Worten von Bill Gajda, Senior Vice President Digital Partners, Fintech and Venture bei Visa, in den nächsten 18 bis 24 Monaten radikal ändern. "Dann werden wir mit unseren biometrischen Merkmalen wie Stimme oder Gesicht bezahlen", so Gajda. Und die Technik hierzu sei mit Maschine Learning, AI, 5G oder Kameras mit eigenem 1000-Mhz-Chip für das Edge Computing bereits vorhanden.

Visa als Commerce Enabler

Ein digitales Ticket für mehrere Verkehrsträger.
Ein digitales Ticket für mehrere Verkehrsträger.
Foto: Hill

Dementsprechend wirken etliche Szenarien zur Zukunft des Bezahlens, die Visa auf dem MWC in Barcelona rund um das Thema Mobility as a Service (MaaS) zeigte, auch nicht unbedingt futuristisch, sondern warfen eher die Frage auf: Warum kann ich das nicht schon heute nutzen? Eine Frage die durchaus beabsichtigt ist, denn Visa will mit seinem Messeauftritt Use Cases und Best Practices aufzeigen, wie Städte und Unternehmen bereits heute mit vorhandener Technik neue Anwendungen entwickeln können, die dem Nutzer mehr Komfort eröffnen und dem Betreiber damit mehr Umsatz bescheren. Gleichzeitig zeigt dies, wie sich der Kartenanbieter selbst im Zuge der digitalen Transformation verändert hat und sich heute laut Gajda als "Commerce Enabler" begreift.

Allerdings setzen diese Ideen eines voraus: Die Betreiber der verschiedenen Verkehrsträger müssen sich mit dem Gedanken der Shared Economy anfreunden - wie es etwa erst jüngst BMW und Daimler mit ihrer Zusammenarbeit in Sachen Carsharing getan haben. Dann könnte die Vision, dass der User in einer Stadt nur noch eine App benötigt, um unterschiedlichste Verkehrsmittel wie Fahrrad- und Carsharing, Taxi oder Öffentlicher Nahverkehr zu nutzen, Realität werden. Dabei würde die Smartphone-App als das digitale Ticket dienen.

Dieses digitale Ticket hat für den Visa-Manager gleich mehrere Vorteile: So ersparen sich Touristen und Geschäftsreisende den mühsamen Kampf durch den Tarifdschungel des öffentlichen Nahverkehrs und sie können die unterschiedlichen Verkehrsträger seamless wechseln. Gleichzeitig hätte der Nutzer Preistransparenz und könnte mit absehbaren Kosten kalkulieren.

ÖPNV neu definiert

Digitalisierung des ÖPNV.
Digitalisierung des ÖPNV.
Foto: Hill

Auf der anderen Seite eröffnet das digitale Ticket für Städte und Anbieter laut Gadja verschiedene Optionen: Sie könnten beispielsweise die Kosten, die für die Nutzung anfallen, deckeln oder die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel mit Rabatten gezielt fördern: Etwa mit Discounts für die U-Bahn zu den Stauzeiten. Gleichzeitig ließe sich damit das komplexe Preisgefüge der Verkehrsbetriebe entrümpeln, denn Dinge wie Monatskarten, Tageskarten, Streifenkarten etc. wären überflüssig. Verknüpft mit Machine Learning und AI könnte eine solche Plattform zudem automatisch auf die Verkehrssituation reagieren und die Nutzer gezielt zur Verwendung anderer Verkehrsmittel animieren.

Begeisternd an der Demonstration auf dem MWC war vor allem, dass dies alles keine Rocket Science ist, sondern die erforderlichen Daten teilweise bereits heute anfallen und damit zur Verfügung stehen. Auch die entsprechenden Technologien sind häufig bereits im Einsatz. Um etwa den Nutzer in Bussen und Bahn zu identifizieren, setzte Visa in der Demo auf Ultraschall. Unhörbar könnte so das Smartphone des Reisenden zur Authentifizierung aufgefordert werden - und dies beispielsweise alle 30 Sekunden. Damit wüsste der Betreiber genau, wie weit der Nutzer fährt, und könnte die Fahrt entsprechend bepreisen oder rabattieren, wenn der Maximalbetrag erreicht ist.

Die Technik ist bereits da

Gleichzeitig würden so die Verkehrsträger in Echtzeit Nutzungsdaten zur Auslastung ihrer Verkehrsmittel erhalten, um so etwa on demand weitere Züge einzusetzen. Gleichzeitig könnte so eine anderes Problem angegangen werden, das laut der aktuellen Visa-Studie "The Future of Transportation - Mobility in the Age of the Megacity" viele Pendler und Reisende von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel abhält: Die mangelnde Sauberkeit. Anhand der Auslastungszahlen ließe sich per ML der zu erwartende Verschmutzungsgrad errechnen. Im 5G-Zeitalter könnte dann einer der zahlreichen Roboter - die auch dieses Jahr wieder auf dem MWC zu Gast waren - autonom zur Reinigung des Zuges an den nächsten -Bahnsteig geschickt werden.

Wie gesagt alles keine Raketenwissenschaft: Die Technik ist mit IoT, 5G, Sensoren, Cloud, AI und ML vorhanden - man muss nur nutzen und den Willen zu neuen Business-Modellen aufweisen.