Cloud-Client Computing Reviewer's Day

Virtuelle Desktops statt herkömmlicher PCs

09.06.2015
Von 
Harald Weiss ist Fachjournalist in New York und Mitglied bei New York Reporters.
Im Rahmen seines "Cloud-Client Computing Reviewer's Day" in Santa Clara präsentierte Dell aktuelle Ansätze sowie Vorzüge und Nachteile der virtuellen Desktop-Infrastrukturen. Diese Technologie sollten die IT-Verantwortlichen als eine interessanter Alternative zu traditionellen PC-Infrastruktur auf dem Radar haben.

Bei der Virtualisierung der RZ-Infrastruktur gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte. Folglich ist es nur konsequent, wenn die IT-Chefs jetzt auch über eine Virtualisierung der „letzten Meile“ im RZ nachdenken: der Desktop-Virtualisierung. Doch so einfach, wie die Einführung einer Server-Virtualisierung ist es in diesem Fall nicht. Größtes Problem sind die Kosten. Doch viele Softfacts und der Stromverbrauch sprechen eine deutliche Sprache zu Gunsten von virtuellen Desktop-Strukturen. Auch Gartner und IDC raten den IT-Chefs dringend, sich mit diesem Thema zu befassen und entsprechende Projekte anzuschieben.

„Es gibt heute nicht nur eine einzige Lösung für die bestmögliche Endpunkt-Infrastruktur. Für viele ist das immer noch der Desktop-PC, für andere ist es die wechselnde Nutzung von verschiedenen PCs, beziehungsweise Laptops oder Tablets. Doch immer häufiger sind gehostete Infrastrukturen, wie VDI oder Cloud-Clients, die bestmögliche Lösung“, sagt Steve Lalla, Vice President für Dells Client-Computing. Dabei beruft er sich auf viele Kundengespräche, bei denen es um die Evaluierung der verschiedenen Infrastruktur-Ansätze ging. „Dell ist bei diesen Fragestellungen in einer besonders vorteilhaften Situation, weil wir vom Stand-Alone-PC bis hin zum HTML5-fähigen Cloud-Client alles aus einer Hand anbieten können“, ergänzt Jeff McNaught, Vice President für Dells Cloud Client Computing. Folglich verhehlt er auch nicht, dass er den zentralen Lösungen den Vorzug gibt. „Jede gehostete Infrastruktur bietet dem IT-Verantwortlichen erhebliche Vorteile beim Datenmanagement, bei der Datensicherheit, der Kollaboration und der Administration“, gibt er als Grund für seine Präferenzen an.

Jeff McNaught stellte auf dem "Dell Cloud Client Computing Reviewer's Day" in Santa Clara die VDI-Strategie des Unternehmens vor.
Jeff McNaught stellte auf dem "Dell Cloud Client Computing Reviewer's Day" in Santa Clara die VDI-Strategie des Unternehmens vor.
Foto: Harald Weiss

Dieser Trend zeigt sich auch an dem ansteigenden Interesse an solchen Lösungen. Laut IDC wird allein der EMEA-Markt für Virtual Client Computing (VCC) von 805 Millionen Dollar im Jahre 2013 bis 2018 auf 1,2 Milliarden Dollar anwachsen. Und deren Analysten raten allen IT-Chefs sich schnellstens mit den Vorzügen – aber auch Problemen – solcher Infrastruktur-Lösungen zu befassen. Auch Gartner sieht VCC als einen der aktuellen Top-Ten-Trends.

Thin-Client ist nicht billiger

Doch eine solche Evaluierung ist nicht so einfach. Allzu oft haben die Anbieter bei solchen Vergleichs-Diskussionen die Zahlen so lange verschönt, bis am Ende die virtuelle Lösung am günstigsten erschien. Die Ernüchterung folgte dann später im Laufe des Projektfortschrittes. Inzwischen gibt es viele Muster-Rechnungen, wonach eine VDI-Lösung zwischen 550 und 1200 Dollar pro Arbeitsplatz kostet. Gartner-Analyst Gunnar Berger kennt sogar Fälle, bei denen allein der Anteil an Storage-Kosten bei mehr als 1000 Dollar liegt. Auch McNaught bestätigt mit seiner Argumentation, dass Kostenvorteile nur ganz selten eine virtuelle Desktop-Struktur rechtfertigen. Diese Erkenntnis hat sich auch bei den IT-Chefs durchgesetzt. In einer Gartner-Umfrage haben die CIOs die Investitionen als größtes Problem einer VDI-Einführung genannt. Auf dem vierten Platz befindet sich der damit verbundene Punkt einer unklaren ROI-Situation. Aber auch die Plätze zwei und drei hängen indirekt mit Kosten zusammen. Hier nannten die IT-Chefs die Komplexität und die mangelnde Bandbreite als VDI-Problemfaktoren.

Die Bandbreite lässt sich schnell verbessern – man muss nur tief genug in die Tasche greifen. Und eine große Komplexität stört nicht, solange man genügend hochbezahlte Spezialisten zur Hand hat, die die Infrastruktur managen – aber auch das scheitert häufig am Geld.

Softfacts und Stromverbrauch ausschlaggebend

Folglich sind es immer häufiger die Softfacts, die den Ausschlag für eine VDI-Einführung geben. Laut McNaught sind das vor allem die Datenkontrolle sowie die Kollaboration über weite Entfernungen hinweg, beziehungsweise mit externen Partnern. „Denken wir nur an die komplexen Produkt-Entwicklungsarbeiten, die heute in globalen Teams stattfinden. Hier ist es wichtig, dass alle Daten zentral gehalten werden, ohne dass darunter die Produktivität des Teams zu leiden hat“, so McNaught weiter.

Andere Anbieter nutzen bei ihrer Pro-VDI-Argumentation auch die Einsparungen am Stromverbrauch. Thin-Clients benötigen nur 5 bis 14 Watt, wogegen PCs zwischen 65 und 250 Watt verschlingen. Hier muss natürlich auch der typische Server-Verbrauch mit 450 bis 650 Watt hinzu addiert werden, doch damit lassen sich bis zu 100 Clients versorgen.

Browser-basierte Thin-Clients von Dell

VDI-Lösungen basieren Hardware-seitig auf Thin-, beziehungsweise Zero-Clients, deren Technologie Dell durch die Wyse-Akquisition vor zwei Jahren erworben hat. Bei den Software-Plattformen gibt es Kooperationen mit Citrix, VMware und Microsoft. Hinzu kommen eigene Software-Komponenten, wie beispielsweise vWorkspace. Hierbei handelt es sich um eine Plattform mit der sich im Microsoft- und VMware-Umfeld integrierte End-zu-End-Lösungen betreiben lassen. Von vWorkspace hat das Unternehmen soeben die Version 8.5 vorgestellt. Eines der herausragenden Merkmale der neuen Version ist der HTML5-Connector. Damit lässt sich jedes beliebige Endgerät per Webbrowser als virtueller Desktop nutzen – ohne dass dafür eine separate Client-Software installiert werden muss. Das ist besonders für die Dell-Partner interessant, die Desktop-as-a-Service (DaaS) anbieten.

Bislang vorwiegend einfache PC-Anwendungen

Die gegenwärtigen Hauptanwender von VDI sind laut McNaught einfache Anwendungen in Call-Centern, Schulen und Hochschulen sowie Krankhäusern und Behörden. So meldete die US-Army vor kurzem, dass sie ihre 50.000 PCs im Pentagon komplett auf VDI umstellt, und dass inzwischen bereits 18.000 PCs durch Thin-Clients ersetzt wurden. Deren IT-Chef Thomas Sasala nennt als Grund für dieses Megaprojekt ebenfalls keine direkten Kostenvorteile, sondern beruft sich auf eine schnellere Administration. Seiner Meinung nach lassen sich Sicherheits-Patches bei allen 18.000 Clients über Nacht installieren – was sonst einige Wochen in Anspruch genommen hat.

Dell zielt neuerdings aber auch auf die Power-User, also CAD/CAM, Film-Editing und Big-Data-Visualisierung. Hierzu gibt es ein leistungsfähigeres Protokoll, Highend-Thin-Clients der Serie 7000 und die Rack-Workstation R7610, die mit Nvidias GRID-Karten bestückt ist. High Performance Solutions heißt dieser Bereich bei Dell, für den es bereits zertifizierte CAD/CAM-Software von Siemens, PTC, Autodesk und Dassault Systems gibt. Auch für die Hollywood-Studios soll es bald entsprechende Referenz-Architekturen geben, an denen man bei Dell gemeinsam mit Adobe arbeitet. (sh)