Basiswissen für eine erfolgreiche Server-Virtualisierung

Virtualisieren mit vSphere, Hyper-V und KVM

11.01.2016
Von 
Thomas Drilling ist als freier IT-Journalist und IT-Consultant tätig. Seine Spezialgebiete sind Linux und Open-Source-Software.

VMware vSphere 6.0

VMware ESXi ist ein Typ1-Hyervisor, der auf dem Host Bare-Metal installiert wird. Bei vSphere beziehungsweise ESXi handelt es sich um einen monolithischen Hypervisor. Der von VMware entwickelte Kernel ist zwar im Vergleich zu einem vollwertigen Betriebssystem kompakt, aber größer als der Microkernel bei Hyper-V. Der vSphere-Kernel ist zudem gehärtet und erlaubt per Default kein Nachladen nicht signierter Module. Zudem hat VMware die alleinige Kontrolle über die Entwicklung von Treibern sowie Kernel-Modulen, weshalb bei VMware nichts ohne zertifizierte Hardware geht.

Server-Hersteller, die möchten, dass Ihre Hardware von vSphere unterstützt wird, müssen also einen gewissen Aufwand treiben, was sich zwar in den Kosten niederschlägt, aber auch in einem sehr stabilen Ökosystem aus Hard- und Software (Gerätetreiber, Kernel-Module). Darüber hinaus betreibt VMware seit Jahrzehnen eine umfangreiche Kompatibilitätsdatenbank für Hard- und Software.

Eine vSphere-Umgebung lässt sich nicht sinnvoll ohne einen zentralen vCenter Server betreiben. Dieser übernimmt sowohl elementare Managementaufgaben, stellt aber auch einen großen Teil der Funktionalität einer vSphere-Umgebung, insbesondere im Bereich Clustering zu Verfügung. Allerdings stellt er einen zusätzlichen Kostenfaktor dar und - wenn nicht in einer ausfallsicheren-Umgebung betrieben - ein Single Point of Failure. VMwares Hypervisor beherrscht sowohl Vollvirtualisierung auf Basis der BT-Technology (Binary Translation Technology), greift aber sofern vorhanden auf die Hardware-gestützte CPU-Virtualisierung zurück und beherrscht für einzelne Geräte (SCSI-Controller, Netzwerkkarte) mit Hilfe der VMware-Tools auch Paravirtualisierung.

vSphere Management

Verwaltet wird eine vSphere-Umgebung wahlweise über einen nativen Windows-Client, ein Webinterface oder verschiedene CLI-Schnittstellen (Perl, PowerShell) und APIs. Die Unterstützung für Gastsysteme ist sehr umfangreich und nahezu lückenlos, neben allen aktuellen Windows-Versionen auch Linux, Solaris oder ESXi (nested). Herausragend an vSphere/ESXi ist die bereits von Haus aus sehr fortgeschrittene Netzwerkvirtualisierung in Form des vSphere Distributed vSwitches und die Unterstützung für nahezu alle relevanten Storage-Systeme wie SAN (iSCSI, FC) oder NFS (3.0, 4.1).

Das eigene Dateisystem VMFS ist von Haus aus Cluster-fähig. Außerdem integriert sich vSphere auf Wunsch perfekt mit den SDN- (NSX) und SDS-Technologien (vSAN) aus dem eigenen Haus, sowie mit VMware Cloud-Lösungen und ist mit Zusatzprodukten weitreichend automatisierbar. Selbstverständlich integriert sich vSphere auf Wunsch nahtlos (sowohl ESXi-Hosts, als auch vCenter) in bestehende Verzeichnisdienste wie Active Directory.

Eine typische VMware-Architektur, die Ressourcen in logischen Datacentern verwaltet.
Eine typische VMware-Architektur, die Ressourcen in logischen Datacentern verwaltet.
Foto: Hersteller

Funktionen und Scaleability

Hinsichtlich der gebotenen Funktionen ist vSphere seit Jahren führend, um mit vMotion (Live Migration), Storage vMotion, Shared Nothing vMotion (Host und Datenspeicher ändern), High Availablity, Fault Tolerance, Distributed Ressource Scheduling, Replication, Snapshotting, Cloning nur die Wichtigsten zu nennen.

Mit vSphere 6 hat VMware im Compute-Bereich noch einmal die Maximalkonfigurationen massiv gesteigert. VSphere 6 unterstützt pro Host 480 physische CPUs, 2048 virtuelle Maschinen und 12 TByte RAM sowie pro virtuelle Maschine 4 TBye RAM, 128 virtuelle CPUs und pro Cluster 64 Knoten mit maximal 8000 VMs. Ferner hat VMware seine Verfügbarkeitsfunktionen noch einmal verbessert. So unterstützt das Fault-Tolerance-Feature jetzt bis zu 4 virtuellen CPUs für eine auf diese Art abgesicherte VM. Fault Tolerance erlaubt, dass VMs bei Ausfall des Hosts auf dem Sie laufen ohne Downtime auf einem anderen Host fortgeführt werden können.

Auch an seinem Live-Migration-Feature hat VMware gearbeitet. So ist vMotion jetzt routbar und erlaubt eine unterbrechungsfreie Live-Migration von Workloads bei 100 ms RTT. Mit der durch Long-Distance vMotion auf das zehnfache gesteigerten RTT können Live-Workloads nun beispielswese etwa zwischen physischen Rechenzentren in New York und London migriert werden. In die gleiche Richtung zielt auch das Feature Content Library.

Unter Content Library versteht VMware ein zentrales Repository zum effektiven Verwalten von Content wie VM-Templates, VMs, ISO-Images und Skripten über Standortgrenzen hinweg. Mit dem Content Library Feature wird Content nicht nur an einem zentralen Ort gespeichert, sondern auch mithilfe eines Publish-Subscribe-Verfahrens geteilt. Auch sein vCenter hat VMware deutlich verbessert und den von diesem bereit gestellten Web Client deutlich beschleunigt und stabilisiert.