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Videospielbranche: EA hui, THQ pfui

28.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Anbieter von Computerspielen kommen mit dem leicht rückläufigen Geschäft offenbar ganz unterschiedlich zurecht: Während Electronic Arts , Take-Two, Eidos und Activision für das abgelaufene Quartal - wenn auch teilweise stark gesunkene - Gewinne ausweisen, rutschte THQ ins Minus. Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz dank der starken Nachfrage nach "Finding Nemo" in den USA im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 98,1 Millionen Dollar steigern. Unter dem Strich fiel jedoch ein Nettoverlust von 3,56 Millionen Dollar oder neun Cent je Anteil an. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte die kalifornische Spieleschmiede bei Einnahmen von 85,8 Millionen Dollar noch einen Nettogewinn von 2,3

Millionen Dollar erzielt.

Mit Finding Nemo landete THQ einen Glücksgriff. Das auf dem gleichnamigen Walt-Disney-Zeichentrickfilm basierende Spiel wurde im Berichtszeitraum in den USA rund eine Million Mal verkauft und trug rund 22 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, litt aber das Unternehmen augenscheinlich unter dem branchentypischen Problem, dass einige wenige Kassenschlager nicht ausreichen, um die hohen Entwicklungs- und Marketing-Aufwendungen wieder einzufahren.

Außerdem entging THQ das - aufgrund des schwachen Dollars - wichtige Europageschäft, da der Verkauf des Spiels zeitgleich mit dem Filmstart, also erst im November, startet. Das Unternehmen will nun bei neuen Titeln die Besonderheiten des europäischen Marktes stärker berücksichtigen und bestimmte Spiele gleich auf dem alten Kontinent entwickeln. THQ erwartet, im laufenden zweiten Geschäftsquartal 2003/2004 (Ende: 30. September) bei einem Umsatz von 120 Millionen Dollar einen Gewinn von acht Cent pro Aktie zu erzielen.

Ein - wie gewohnt - sicheres Händchen bei der Spieleauswahl bewies dagegen Electronic Arts. Dem Branchenprimus gelang es in seinem ersten Geschäftsquartal, Umsatz und Gewinn zu steigern. Die Einnahmen kletterten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 353 Millionen Dollar. Der Nettoprofit erhöhte sich von 7,4 Millionen auf 18 Millionen Dollar oder zwölf Cent je Aktie.

Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Wall Street deutlich: Laut Umfrage von First Call Thomson hatten die Analysten im Schnitt lediglich mit 337 Millionen Dollar Umsatz und einem Gewinn von zwei Cent je Anteilschein gerechnet. Als Gründe für das gute Abschneiden nannte Firmenchef Larry Probst die starke Nachfrage nach der Basketball-Simulation "NBA Street Vol. 2", dem Wrestling-Spiel "Def Jam Vendetta" und dem Dauerbrenner "Die Sims". Von den drei Franchise-Titeln wurden im Berichtszeitraum jeweils mehr als eine Million Kopien abgesetzt. Außerdem konnte EA seine Bruttomarge von 57,1 auf 57,6 Prozent steigern. Für das laufende zweite Quartal erwartet die Company einen Umsatz von 470 bis 510 Millionen Dollar. Als Ergebnis pro Aktie stellt das Unternehmen einen Gewinn zwischen 35 und 42 Cent in Aussicht. (mb)