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US-Linguisten wollen Unicode-Nutzung vorantreiben

15.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Internet ist noch längst nicht für alle ein praktisches Kommunikationswerkzeug. Viele Schriftsprachen lassen sich bislang nicht durch Software wiedergeben. So können Millionen Menschen in ihrer Muttersprache keine E-Mails schreiben, Websites gestalten oder Datenbanken durchsuchen.

Linguisten der University of California in Berkeley wollen nun nahezu 100 zusätzliche Schriftsprachen in den internationalen Standard Unicode einfügen, durch den Computer dann die Texte darstellen, verarbeiten und versenden können.

Unicode weist jedem geschriebenem Zeichen, Symbol oder Punktzeichen eine ID-Nummer zu. Damit lässt sich verhindern, dass Daten beim Versenden zwischen Softwareprogrammen oder über das Internet falsch interpretiert werden.

Wie nützlich Unicode sein kann zeigt das Beispiel Vietnam. Dort soll dieser Standard nach dem Willen der Regierung erhebliche wirtschaftliche Veränderungen bewirken. Bisher brachten inländische Computer- und Softwarehersteller 43 verschiedene Möglichkeiten auf den Markt, um Vietnamesisch zu codieren. Ein zuverlässiger Datenaustausch war daher nicht möglich.

Das Unicode-Mammutprojekt wird nach Ansicht der Linguistin Deborah Anderson von der University of California zehn Jahre dauern. Bis vor kurzem unterstützte die Computerbranche das Vorhaben. Nun scheint das Interesse jedoch nachzulassen, da die Bevölkerungsgruppen mit diesen für den Computer bisher unverständlichen Sprachen einen zu kleinen Markt darstellen. (lo)