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US-Industrie wehrt sich gegen Anti-Offshore-Kampagnen der Regierung

01.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Offshore-Outsourcing ist ein heißes Thema im US-Wahljahr 2004. Während sich die Regierung darum bemüht, Arbeitsplätze in den USA zu halten, haben Vertreter der Industrie nun still und heimlich eine Gegeniniative gegründet.

Medienberichten zufolge haben sich rund 200 Handelsverbände unter der Coalition for Economic Growth and American Jobs zusammengeschlossen. Dazu zählen die US Chamber of Commerce, das Business Roundtable, die American Bankers Association (ABA) und die Information Technology Association of America (ITAA). Ziel der Lobby-Gruppe ist es, Gesetzesentwürfe wie die Einschränkung der Offshoring-Leistungen bei Regierungsaufträgen und die Begrenzung von Visas für nichtamerikanische Fachkräfte zu Fall zu bringen.

Während es in den Vereinigten Staaten bereits seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, dass Jobs in der Fertigung in Billiglohnländern verlagert werden, geht es nun auch den Büroangestellten – etwa in Call-Centren oder der Softwareentwicklung - an den Kragen. Dies führt zu weiteren Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz. Als Konsequenz entstanden in der letzten Zeit Dutzende von Gesetzesentwürfen zum Schutz von US-Arbeitsplätzen. So enthält der US-Haushaltsentwurf für 2004 eine Passage, in der vorgeschlagen wird, Unternehmen mit Offshore-Aktivitäten von Ausschreibungen bei Regierungsprojekten auszuschließen. Die Regelung hätte ernste Konsequenzen für IT-Dienstleister wie Electronic Data Systems (EDS), das einen Großteil seiner Einnahmen mit Behördenaufträgen erzielt.

Außerdem kämpft die Koalition gegen einen Entwurf, der vorsieht, dass Call-Center-Mitarbeiter ihren physischen Standort bei Annahme eines Anrufs mitteilen müssen. Die Gesetzesvorlage stammt von Tom Daschle, Fraktionschef der Demokraten im Senat, und wird vom wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten John Kerry unterstützt. Daneben existieren noch mehrere Anträge, die Vergabe von H1B-Visas, dem US-Pendant zur deutschen Greencard, einzuschränken.

Trotz der Vielzahl von Gesetzesentwürfen hat sich bislang wenig bewegt. So wurden rund 80 Vorschläge, den Abbau einheimischer Arbeitsplätze durch Einschränkung des Offshore-Outsourcing zu stoppen, formuliert. Bislang kamen aber nur wenige davon zur Abstimmung, kein einziger wurde zugelassen. Die Entwürfe hätten unerwünschte Konsequenzen für Regierungsbehörden mit internationalen Programmen, so die Koalition, und vernachlässigten die durch Offshoring erzielten Einspareffekte. Zudem verstoße ein Vergabeverbot von Behördenaufträgen an ausländische Dienstleister gegen Vereinbarungen mit der Welthandelsorganisation.

Man könne nicht auf den Abbau internationaler Handelsbarrieren drängen und gleichzeitig zuhause ähnliche Schranken errichten, so Harris Miller, President der ITAA. Es sei allerdings schwierig, Gehör zu finden, wenn die Arbeitslosigkeit in den USA nicht wie erhofft zurückgehe und Politiker das Problem als Wahlthema aufgriffen. (mb)