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US-Händler verkauft Wahlregistrierungslisten an jedermann

12.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - So viel zum Thema sensible Handhabung von Daten: Aristotle International hat Registrierungslisten mit umfangreichen persönlichen Daten von Wählern an Käufer weitergegeben, ohne deren Identität vorher zu überprüfen.

Aristotle verkauft regulär Wählerlisten mit persönlichen Daten von Wahlberechtigten, die vor der Wahlregistrierung ausgefüllt werden müssen. Bei diesen Listen geben die Betroffenen unter anderem ihren Namen, ihr Geburtsdatum und ihre Heimatanschrift an. Oft füllen sie aber auch weitere Angaben aus. Hierzu zählen etwa die Telefonnummer, die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, die Einkommensverhältnisse sowie die religiöse Ausrichtung. Viele dieser Angaben sind fakultativer Natur, müssen also bei der Registrierung für eine Wahl in den den USA nicht gemacht werden. Allerdings kritisieren Bürgerrechtsgruppen, dass Hinweise auf die Freiwilligkeit von Angaben in vielen Fällen wenn überhaupt, dann nur sehr dezent an die Wähler gegeben werden.

In einigen Staaten der USA ist es zudem verboten, solche Wählerlisten im Internet zu verkaufen. Im Falle Aristotle ist die Angelegenheit insofern brisant, als das Unternehmen anders, als gefordert, keine Überprüfung der Käufer solcher Listen durchführte. Eine Verifizierung derer, die sich in diesem Fall die Daten von tausenden von wahlberechtigten Bürgern kauften, fand nicht statt.

Der Vorgang ist auch deshalb problematisch, weil jeder, der will, sich auch andere Datenbeständen zukaufen kann. Konsolidiert man dann verschiedene Datenbestände, kann man sich auf diese Weise ein Profil von Privatpersonen und deren Kaufgewohnheiten etc. erstellen.

Aristotle sagt, es besitze die Daten von rund 157 Millionen Wahlberechtigten. Für 1000 Datensätze verlangt das Unternehmen online 25 Dollar. Stammen die Daten von Wählern aus dem US-Bundesstaat New Hampshire, deren Angaben als besonders repräsentativ gelten, kosten Datensätze von 1000 Bürgern sogar 80 Dollar. (jm)