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US-Gericht verbietet Studenten Vortrag über Hackermöglichkeiten

15.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Gericht des US-Bundesstaats Georgia hat ein vorläufiges Unterlassungsurteil gefällt, nach dem es zwei Stundenten verboten ist, auf einer Sicherheitskonferenz in Atlanta darüber zu berichten, wie sie in ein Computersystem einbrachen und es modifizierten.

Das Softwareunternehmen Blackboard aus der Bundeshauptstadt Washington hatte die Unterlassungsverfügung beantragt. Die Firma argumentierte, die Informationen, die bei dem Vortrag veröffentlicht werden sollten, seien auf illegale Art gewonnen worden. Würden diese Informationen publik gemacht, schade dies den wirtschaftlichen Interessen von Blackboard und denen von Blackboard-Kunden. Dem hielten die Veranstalter der Interzone-Konferenz entgegen, eine Unterlassungsverfügung würde das Recht auf freie Rede jedes Individuums behindern. Worauf Blackboard entgegnete, seine Rechte auf das geistige Eigentum seiner Entwicklung sowie das wirtschaftliche Interesse von Blackboard würden das Recht auf Redefreiheit bei weitem übersteigen. Blackboard entwickelt Software für den Erziehungs- und Ausbildungsbereich.

Das Unternehmen argumentierte weiter, dass zumindest einer der Studenten, Billy Hoffmann, als Konkurrenz angesehen werde, weil Hoffmann gedroht habe, den Blackboard-Softwarecode an Dritte weiterzugeben.

Das Urteil ist insofern interessant, als es in den vergangenen Jahren immer wieder Rechtshändel über die Frage gab, ob Informationen, die auf illegalen Wegen wie Hackeraktionen erworben wurden, auch veröffentlicht werden dürfen. Spätestens, seit in den USA der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) es verbietet, technische Sicherheitsmassnahmen zu unterlaufen und deren Wirkungsweise zu veröffentlichen, ist diese Diskussion voll entbrannt.

Allerdings berief sich Blackboard gar nicht auf das DMCA-Verdikt. Das Unternehmen machte geltend, einer der beiden Studenten sei physisch in das Blackboard-System eingedrungen, habe einen Switch untersucht und dann eine Möglichkeit gefunden, die Blackboard-Technologie nachzuahmen. Solch ein Vorgehen sei aber schlicht ungesetzlich. Aus diesem Grund dürften Erkenntnisse, die aus solch einem illegalen Vorgehen erwachsen, auch nicht publiziert werden.

Über eine einstweilige Verfügung in dieser Angelegenheit wird eine übergeordnete Instanz erst noch zu urteilen haben. (jm)