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US-Bilanzeid: Deutsche Firmen fordern Ausnahmeregelung

16.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Einige der 17 deutschen Unternehmen, die an der New Yorker Börse (NYSE/Nasdaq) gelistet sind, wollen den verschärften US-Gesetzen gegen Bilanzbetrug (Sabanes-Oxley-Act) nicht Folge leisten. Sie fordern statt dessen eine Ausnahmeregelung für ausländische Firmen. In einem Brief an die US-Börsenaufsicht SEC argumentieren die Unternehmen, dass hierzulande zwar ein anderes Rechtssystem herrsche, dieses aber gleichwertige Sicherheiten biete. "Wir halten es daher nicht für notwendig, deutschen und anderen nicht-amerikanischen Firmen in rigider Weise dieselben formalen Anforderungen aufzuerlegen wie US-Unternehmen."

Als weitere Begründung verweisen die Konzerne auf die Unterschiede in der Führungsstruktur von Unternehmen diesseits und jenseits des großen Teichs: So sei in den USA ein einheitliches Führungsgremium (Board) üblich, hierzulande gäbe es dagegen eine Aufteilung in Vorstand und Aufsichtsrat. Dabei haften bei US-Firmen die Board-Mitglieder persönlich, während in deutschen Unternehmen der Vorstand kollektiv verantwortlich zeichnet. Außerdem habe der deutsche Gesetzgeber schon 1998 eine ausdrückliche Pflicht eingeführt, wonach der Vorstand eine Frühwarnsystem einzuführen hat, heißt es in dem Brief. Laut Informationen der "Financial Times Deutschland" haben Juristen von Allianz, BASF, DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom und Infineon das Schreiben unterzeichnet. Die Firmen warnten indirekt davor, dass eine strenge Anwendung des Sabanes-Oxley-Acts ausländische Unternehmen von einer Notierung an der New Yorker Börse

abschrecken könnte.

Nach den zahlreichen Bilanzskandalen in der jüngsten Vergangenheit hatte die US-Börsenaufsicht ihre Regularien gegen allzu kreative Buchführung verschärft. Ab sofort müssen die Vorstände die Richtigkeit ihrer Bilanzen eidesstattlich beurkunden und können bei Betrug persönlich haftbar gemacht werden. Bei Verstößen drohen bis zu fünf Millionen Dollar Strafe sowie bis zu 20 Jahre Haft.

Auch in den USA leisteten nicht alle Firmen der Aufforderung Folge, ihre jüngsten Bilanzen von den Firmenchefs und Finanzvorständen unterzeichnen zu lassen: Bis zum Stichtag am 14. August gingen bei der US-Börsenaufsicht SEC Erklärungen von 649 Unternehmen ein, die entweder den geforderten Bilanzeid enthielten oder die Mitteilung, diesen in den nächsten Tagen nachzureichen. Insgesamt hatte die SEC jedoch 942 Unternehmen aufgefordert, für 695 Firmen galt der 14. August als Stichtag. (mb)