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US-Berufungsgericht gibt Aktionärsklage gegen Oracle statt

02.09.2004

Mit dem Verweis auf verdächtige Insider-Verkäufe, und übertrieben positiven Geschäftsprognosen hat ein US-Berufungsgericht eine Aktionärssammelklage gegen Oracle und Unternehmenschef Larry Ellison (Computerwoche.de berichtete) wieder in Kraft gesetzt.

Ein in San Francisco ansässiges Berufungsgericht setzte damit die Entscheidung einer niedrigeren Instanz vom März dieses Jahres außer Kraft. Als Erklärung führte der Richter an, es sei verdächtig, dass der CEO im Januar 2001 Oracle-Anteile für knapp 900 Millionen Dollar verkauft habe – einen Monat, bevor der Aktienkurs des Datenbankspezialisten nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung um 23 Prozent eingebrochen war. Außerdem verwies das Richtergremium auf die übertrieben positiven Umsatzprognosen des Unternehmens sowie auf Ellisons öffentliches Geprahle im Jahr 2000, dass sein Geschäft gegenüber der schwachen US-Konjunktur immun sei.

Das ursprünglich mit dem Fall betraute Bezirksgericht hatte die Klage mit der Begründung abgewiesen, es gebe keine Beweise, dass Ellison und andere Topmanager im Zeitraum Mitte Dezember 2000 und Anfang März 2001 absichtlich falsche Angaben zur finanziellen Situation von Oracle gemacht hätten. Dem widersprach nun das Ninth Circuit Court of Appeals: Angesichts der von dem Unternehmen intern eingesetzten Software bestehe sehr wohl die Möglichkeit, dass die Führungskräfte gelogen haben. Ellison selbst habe in dem betreffenden Zeitraum öffentlich erklärt, dass alle Informationen von Oracle in einer einzigen Datenbank zusammen liefen. "Wir wissen genau, wie viel wir weltweit in der vergangenen halben Stunde verkauft haben", zitierten die Richter den Oracle-Chef. (mb)