Interbank Information Network

US-Bank J.P. Morgan baut Blockchain-basiertes Zahlungsnetzwerk

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
J.P. Morgan hat eines der bislang größten Blockchain-Zahlungsnetzwerke geschaffen. Mit der Royal Bank of Canada and Australia sowie der New Zealand Banking Group hat die US-Bank die ersten beiden Banken gefunden, die im "Interbank Information Network" (IIN) dabei sein wollen.

J.P. Morgan möchte Finanzinstitute mit signifikantem grenzüberschreitendem Zahlungsverkehr für sein IIN gewinnen. Gemeinsam sollen internationale Finanztransaktionen vereinfacht werden. Man möchte die Zahl der Teilnehmer, die sich in einem Zahlungsprozess beispielsweise mit Compliance-Aspekten oder datenbasierten Nachforschungen beschäftigen und damit den Zahlungsvorgang verzögern, reduzieren. Gelänge es, diese Intermediäre auszuschalten und dabei Sicherheit und Gesetzeskonformität zu garantieren, ließen sich Geldtransaktionen massiv beschleunigen.

Immer mehr Banken beschäftigen sich intensiv mit der Blockchain-Technologie, um Transaktionen zu vereinfachen, zu beschleunigen und die Kosten zu senken.
Immer mehr Banken beschäftigen sich intensiv mit der Blockchain-Technologie, um Transaktionen zu vereinfachen, zu beschleunigen und die Kosten zu senken.
Foto: dencg - shutterstock.com

"Das IIN wird die Kundenerfahrung verbessern und die Transaktionsdauer von Wochen auf Stunden reduzieren", glaubt Emma Loftus, Head of Global Payments and FX bei J.P. Morgan Treasury Services. "Die Möglichkeiten der Blockchain haben es uns erlaubt, die Art und Weise, wie kritische Informationen von Banken abgerufen und zwischen den Instituten ausgetauscht werden, neu zu denken." J.P. Morgan erwartet, dass in den kommenden Monaten viele Banken dem IIN beitreten werden.

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Die US-Bank setzt mit dem IIN auf Quorum auf, einer eigenen Enterprise-Version von Etherium, die als Distributed-Ledger- und Smart-Contract-Plattform für Unternehmen dienen soll. Quorum unterstützt Anwendungen, die schnell und mit hohem Durchsatz private Transaktionen unter autorisierten, untereinander bekannten Handelspartnern ermöglicht. Die Plattform kann Transaktionsblöcke so "privatisieren", dass Datensätze nur an einen vorgesehenen Kreis durchgereicht werden.

Auch IBM bringt die Blockchain in die Bankenwelt

Erst vor wenigen Wochen hatte IBM auf Basis der eigenen Blockchain-Plattform gemeinsam mit einem polynesischen Zahlungsdienstleister und einem Open-Source-Fintech-Netzwerk ebenfalls ein Netzwerk für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um einen Cloud-Service, der den elektronischen Austausch von zwölf verschiedenen Währungen auf diversen pazifischen Inseln sowie in Australien, Neuseeland und Großbritannien ermöglicht.

Dieser Service wird unterstützt von der KlickEx Group, einem von der UN gestützten Finanzdienstleister für die Pazifikregion, und von Stellar.org, einer Non-Profit-Organisation, die ein Open-Source-Blockchain-Netzwerk für Finanzdienstleistungen betreibt. Der Service ermöglicht Zahlungen zwischen Banken, außerdem bietet er Konsumenten in Entwicklungsländern die Möglichkeit, ihre mobilen Geldbörsen schnell und unkompliziert aufzuladen.

Management-System für Equity Swaps

J.P. Morgan ist ebenso wie die Citigroup und Goldman Sachs an einem Pilotprojekt beteiligt, in dem erfolgreich ein Blockchain-basiertes Management-System für Equity Swaps getestet wurde. Das Projekt wurde auf AxCore umgesetzt, einer proprietären Distributed-Ledger-Software des Startups Axoni. Der Pilot umfasst Executable Distributed Code Contracts (EDCCs) und ein "verteiltes Peer-to-Peer-Netzwerk, um einen fortwährenden Kontenabgleich zu ermöglichen".

"Wenn man beide Seiten einer Swap-Transaktion im selben Hauptbuch hat, können die Beteiligten gleichzeitig Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Swaps sehen und teilen - vom Angebot bis zum Abschluss", heißt es bei Axonis. Unternehmen könnten Geld sparen und datenbezogene Fehler vermeiden. An dem Pilotprojekt haben sich inzwischen zahlreiche Banken beteiligt, darunter BNP Paribas, Credit Suisse, das Canada Pension Plan Investment Board und die International Swaps and Derivatives Association. (hv)