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Update: Zerschlagung von Freenet zeichnet sich ab

24.08.2007
Es bahnt sich ein Ende an für Freenet in der bisherigen Form: Der DSL-Bereich steht vor dem Verkauf, die Mobilfunksparte soll mit Drillisch verschmolzen werden. Die Zukunft von Freenet-Chef Eckhard Spoerr ist ungewiss.

Der Telekommunikations-Anbieter Freenet steht nur wenige Monate nach der Fusion erneut vor einem Umbruch. Nach einer Anteilsaufstockung wird der Konkurrent Drillisch mit 28,6 Prozent zum Hauptaktionär der früheren Mobilcom AG - eine Zerschlagung rückt damit näher. Denn Drillisch-Chef Paschalis Choulidis hat seit dem Einstieg vor einem Jahr keinen Hehl aus seinen Zielen gemacht: Freenet soll das DSL-Geschäft verkaufen und mit Drillisch fusionieren. Die Fusion von Mobilcom und Freenet.de zur neuen Freenet AG würde damit de facto rückgängig gemacht.

Die Hoffnungen vieler Aktionäre, dass Freenet mit der Verschmelzung Anfang März zur Ruhe kommen würde, erfüllten sich von Beginn an nicht. Neben Choulidis sorgten umtriebige Aktionäre wie der Hegde-Fonds-Manager Florian Homm und die Fondsgesellschaft Hermes immer wieder für Wirbel mit Forderungen nach einer Zerlegung. Freenet-Chef Eckhard Spoerr beauftragte schließlich die Investmentbank Morgan Stanley mit der Suche nach einem Käufer für das gesamte Unternehmen - eine Zerschlagung lehnte er zunächst ab.

Die Fusion mit Mobilcom hat Freenet-CEO Spoerr noch gemeistert, doch bald könnte sein Plan Makulatur werden.
Die Fusion mit Mobilcom hat Freenet-CEO Spoerr noch gemeistert, doch bald könnte sein Plan Makulatur werden.

Der Verkaufsprozess geriet zum Fiasko, denn trotz einer "Betteltour" der Investmentbanker erwies sich Freenet als Ganzes als unverkäuflich. Für kleinere Wettbewerber wie QSC oder Versatel ist das Unternehmen mit einem Börsenwert von 1,6 Milliarden Euro zu groß, und die finanzkräftigen Konkurrenten Debitel und Telecom Italia (HanseNet, Alice) sind ihrerseits damit beschäftigt, zugekaufte Unternehmen zu integrieren. "Zudem schreckten die klagewütigen Freenet-Aktionäre Interessenten ab", sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person. Spoerr stimmte schließlich einer Zerlegung zu: "Für Teile des Unternehmens gibt es mehr Bieter als für das komplette Unternehmen", sagte er am vergangenen Dienstag.