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Update: Telekom-Chef Ricke erhöht den Druck auf dem Kessel

21.07.2006
"Wir wollen als Nummer eins aus der Transformation der Branche hervorgehen", erklärte der Vorstandschef der Deutschen Telekom in einem Interview.

Ab Herbst seien die "paradiesischen Zustände für den Wettbewerb" vorbei, fasste Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in einem Gespräch mit dem "Handelblatt" die anstehenden Veränderungen zusammen: Nachdem die ausstehende Verschmelzung mit T-Online im Juni endlich genehmigt worden sei, kündigte Ricke nun an, die Aufholjagd um die Gunst der Kunden verstärkt aufzunehmen. Dazu sollen ab Herbst die Preismodelle für alle Bereiche, sei es Festnetz- oder Mobilfunk-, Privat- oder Geschäftskunden, radikal vereinfacht werden, so der Topmanager. "Im Festnetz bedeutet das Pauschaltarife für den Anschluss inklusive Leistungen für Telefonieren, Surfen oder Fernsehen - oder eine Kombination der drei", sagte Ricke. Im Mobilfunk dürfe niemand mehr Angst vor den Telefonkosten haben.

Die geplanten Preissenkungen bedeuteten nicht unbedingt einen Umsatzeinbruch, erklärte Ricke. Vielmehr könne die Telekom durch die Inbetriebnahme neuer IP-basierender Netze, die weniger Wartung, Personal sowie Gebäudeflächen benötigten, noch radikaler senken als bisher. Von diesen Kostenvorteile würden auch die Kunden profitieren.

Das groß angekündigte Komplettangebot aus Telefonie, Internet und Fernsehen (Triple Play) im neuen VDSL-Netz, für das die Telekom derzeit die Strippen in zahlreichen Großstädten verlegt, sieht Ricke in den nächsten 18 Monaten nicht als das "allein selig machende Mittel" - eher als langfristige Perspektive. Kurzfristig gehe es darum, im traditionellen Festnetzgeschäft Marktanteile zu verteidigen, so der Telekom-Chef.

Ricke geht davon aus, dass - wie bereits in den USA geschehen - auch eine Konsolidierung in der europäischen TK-Branche ansteht. Im Moment sprächen zwar die politischen Rahmenbedingungen in der EU dagegen, erklärte er. Die europäische TK-Industrie müsse aufpassen, hier den Anschluss nicht zu verpassen. Auch die Telekom werde über Zukäufe nachdenken, so Ricke - allerdings nur, wenn der Konzern neben seinen Investitionen zur Rationalisierung noch über genügend Bargeld verfüge. (mb)