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Update: Playboy-Interview gefährdet Googles IPO-Erfolg

13.08.2004
Google bezeichnet das im "Playboy" veröffentliche Interview mit den Firmengründern als "Risikofaktor", will aber an dem Börsengang festhalten.

Der Suchmaschinenbetreiber Google will trotz des im US-Magazin "Playboy" veröffentlichen Interviews mit den Firmengründern an dem geplanten Börsengang festhalten. Das Unternehmen geht eigenen Angaben zufolge nicht davon aus, dass die Firmengründer Sergej Brin und Larry Page mit ihren Aussagen gegen die verordnete Schweigefrist ("Quiet Period") vor einem Börsengang verstoßen haben. Gleichzeitig bezeichnete Google das Interview in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC jedoch als Risikofaktor. Sollte ein Gericht in dem Interview einen Verstoß feststellen, müsse die Company möglicherweise innerhalb eines Jahres alle verkauften IPO-Aktien zum Ausgabepreis zurücknehmen.

Google hat am heutigen Freitag um 9 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) wie angekündigt mit der lang erwarten Versteigerung seiner Aktien begonnen. Nach einer Serie von Pannen war es jedoch bis zuletzt unsicher, ob die Auktion stattfinden kann. So hatte die US-Börsenaufsicht SEC angekündigt, sie werde prüfen, ob die Google-Gründer Brin und Page mit ihren Aussagen in einem Interview mit dem "Playboy" gegen die verordnete Schweigefrist ("Quiet Period") vor einem Börsengang verstoßen haben. Das Gespräch mit dem Magazin hatte bereits am 22. April stattgefunden, knapp eine Woche bevor das Unternehmen die Unterlagen für den IPO (Initial Public Offering) bei der SEC eingereicht hatte. Veröffentlicht wurde es jedoch erst in der September-Ausgabe, die am heutigen Freitag in US-Kiosken ausliegt.

In dem aktuellen SEC-Filing rät Google potenziellen Investoren nun, bei ihrer Kaufentscheidung vorrangig die im Börsenprospekt veröffentlichten Informationen zu Rate zu ziehen. So seien einige Angaben in dem "Playboy"-Interview, etwa bezüglich der Anzahl der Google-Mitarbeiter und Suchmaschinennutzer nicht mehr aktuell oder unzutreffend. Außerdem habe die Konkurrenz in Sachen Mailbox-Speicher gegenüber "Gmail" deutlich aufgeholt.

Große Enthüllungen über das Geschäft und die Finanzen des Suchmaschinenbetreibers sind dem siebenseitigen "Playboy"-Interview aus Sicht des "Wall Street Journal" ohnehin nicht zu entnehmen. Das Gespräch dreht sich größtenteils um mögliche Veränderungen in der Unternehmenskultur nach dem Going Public. So äußert sich Google-Mitbegründer Page besorgt, dass der Spaß nach dem IPO vorbei sein könnte.

Bereits im Mai musste der CRM-Hoster Salesforce.com seinen Börsengang verschieben, nachdem in der "New York Times" ein längerer Artikel über den Firmengründer und –CEO Marc Benioff erschienen war. Zwar wich Benioff Fragen bezüglich des anstehenden IPO mit Verweis auf die von der US-Börsenaufsicht SEC auferlegte Schweigefrist aus. Weil aber der Artikel innerhalb der 14-tägigen Quiet Period vor dem Börsengang veröffentlicht wurde, einigten sich Benioff und SEC, den IPO zu vertagen (Computerwoche.de berichtete). (mb)