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Update: Peoplesoft feuert CEO Conway

01.10.2004
Peoplesoft hat CEO Craig Conway entlassen. Der Verwaltungsrat zweifelte an der Führungsqualität. Das Unternehmen kämpft weiter gegen eine Übernahme durch Oracle.

Peoplesoft hat President und CEO Craig Conway auf die Straße gesetzt. Auf einer Telefonkonferenz erklärte der Sprecher des Verwaltungsrats, George Battle, dass keinerlei Verfehlungen wie etwa Bilanzunregelmäßigkeiten zu Conways Entlassung geführt hätten. Im Laufe der Zeit habe der Verwaltungsrat zunehmende Zweifel an den Führungsqualitäten gehegt und das Vertrauen in den Topmanager verloren. Mit der geplanten feindlichen Übernahme durch den Konkurrenten habe die Entscheidung nichts zu tun. Der Lieferant von Business-Software stehe dem Angebot weiterhin ablehnend gegenüber.

Conways Nachfolge als CEO wird vorübergehend der 63-jährige Firmengründer und Chairman Dave Duffield übernehmen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass sich Finanzchef Kevin Parker und Phil Wilmington, verantwortlich für das operative Geschäft in Nord- und Südamerika, das Amt eines President von Peoplesoft teilen werden. Zu Duffields Stellvertreter als Chairman wurde Aneel Bhusri, Director und ehemaliger Peoplesoft-Manager, bestimmt. Sämtliche Änderungen treten sofort in Kraft, hieß es.

An der Wall Street wurde der Rauswurf Conways zunächst als Hinweis darauf gedeutet, dass Peoplesoft nach 16 Monaten den Widerstand gegen die feindliche Übernahme durch Oracle aufgeben werde. So hatte das Unternehmen in der Pressemitteilung anlässlich der Entlassung Conways keine Angaben zu der künftigen Haltung in der Übernahmeschlacht gemacht. Board-Sprecher Battle wies lediglich darauf hin, dass das für die Ablehnung des Angebots zuständige Komitee alle Entscheidungen einstimmig gefällt habe und dessen Mitglieder weiterhin im Amt seien.

Außerdem erklärte der neue CEO Duffield, Peoplesoft solle eine "wunderbare Arbeitsstätte" für alle Angestellten" bleiben. Im Gegensatz dazu hatte Oracle angedeutet, bei einer erfolgreichen Übernahme mehr als die Hälfte der rund 11.500 Peoplesoft-Mitarbeiter zu entlassen.

Finanzchef und Co-President Parker wies zudem darauf hin, dass der Lizenzumsatz im dritten Quartal voraussichtlich 150 Millionen Dollar überschritten habe. Man habe große Verkaufserfolge bei neuen und bisherigen Kunden erzielt.

Am frühen Morgen (US-Zeit) legte der Kurs der Peoplesoft-Aktie, deren Wert in diesem Jahr bereits um 13 Prozent eingebrochen war, um mehr als sieben Prozent zu. Erst vor zwei Wochen hatte ein US-Bundesgericht die Kartellklage des US-Justizministeriums abgeschmettert und entschieden, dass Oracle weiter daran arbeiten darf, den Wettbewerber Peoplesoft zu übernehmen (Computerwoche.de berichtete). Nach Informationen der "New York Times" steht außerdem die EU-Kommission kurz davor, die 7,7 Milliarden Dollar schwere Fusion zu genehmigen. Bislang hatte die Brüsseler Behörde ähnlich wie das US-amerikanische Justizministerium negative Auswirkungen auf den Wettbewerb im Markt für Unternehmenssoftware befürchtet. (mb)