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Update: Microsoft zahlt Real Networks aus

12.10.2005
Microsoft schafft mit 761 Millionen Dollar die letzte große private Klage wegen Verletzungen des Wettbewerbsrechts gegen den Konzern aus der Welt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft zahlt im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung 761 Millionen Dollar an Real Networks und schafft damit die letzte große private Klage wegen Verletzungen des Wettbewerbsrechts gegen den Windows-Konzern aus der Welt. Teil der Vereinbarung ist auch, dass Real Networks jedwedes kartellrechtliches Vorgehen gegen Microsoft, auch das der Europäischer Union (EU) und der südkoreanischen Regierung, nicht mehr unterstützt. Ungeachtet dessen teilte die EU-Kommission inzwischen mit, an ihren Sanktionen gegen Microsoft festhalten und etwaiges unfaires Geschäftsgebaren verhindern zu wollen.

Im Rahmen der Einigung wird Microsoft 460 Millionen Dollar in bar an Real Networks zahlen. Außerdem wird Microsoft den Kunden seines Internet-Portals MSN den Musik-Download-Dienst "Rhapsody" des neuen Partners anbieten. Offenbar sieht das Unternehmen damit erst einmal von einem eigenen Music Shop ab. Insgesamt 301 Millionen Dollar will der Softwareriese dafür aufwenden, Rhapsody und andere Real-Networks-Produkte, insbesondere Spiele anzubieten und zu bewerben.

"Diese Vereinbarung wird für Millionen von MSN-Kunden einen leichteren Zugriff auf Abo-Services für Musik und Spiele ihrer Wahl bringen", kommentierte Bill Gates. Real werde auch einen Aboservice für seine Spiele in den MSN-Games-Bereich integrieren und eine Reihe neuer Spiele für Microsofts Konsolen "Xbox Live Arcade" und "Xbox 360" entwickeln.

Die eigene Windows-Plattform will Microsoft für den Partner weitestgehend öffnen, so dass die Einbindung des Real Players kein Problem mehr darstelle. In der neuen Windows-Version Vista plant Microsoft sogar Code einzufügen, damit jeder, der ein Real-Media-File abspielen möchte und dazu nicht die richtige Software vorfindet, auf den Download-Sektor von Real Networks weitergeleitet wird.

Marktbeobachter erwarten, dass Real Networks mit dem Geldsegen und dem eigenen Bargeldbestand von zirka 360 Millionen Dollar nun alles unternehmen wird, um seinen Musikdienst "Rhapsody" stärker gegen Apple und Yahoo zu positionieren. "Am Ende des Tages wollen Anwender Auswahl haben", kündigte Real-Chef Robert Glaser eine nun bevorstehende Offensive gegen Apple an. Kunden wollten Offenheit - und hier sei der Mac-Anbieter angreifbar.

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