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UPDATE: Kaufpreis für Lucent sinkt weiter

29.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das "Wall Street Journal" hat weitere Details zur möglichen Übernahme von Lucent Technologies durch dessen französischen Konkurrenten Alcatel veröffentlicht. Demnach liegt der zwischen beiden Unternehmen ausgehandelte Kaufpreis mittlerweile bei nur noch 27,5 Milliarden Euro (gestern Abend war noch von 37,25 Milliarden Euro die Rede, Computerwoche online berichtete). Der mögliche Deal würde nämlich Lucents 58-prozentigen Anteil an Agere ausklammern, der zurzeit rund neun Milliarden Euro wert ist. Die Agere-Anteile sollen wie bisher geplant an die Lucent-Aktionäre gehen und nicht von Alcatel übernommen werden.

Vorgesehen sei, so schreibt das Blatt, dass die Lucent-Aktionäre für jeden ihrer Anteile 0,2435 Alcatel-Aktien erhalten. Das Angebot bewertet Lucent auf Basis der Schlusskurse vom vergangenen Freitag ohne Agere mit 6,84 Dollar pro Aktie und insgesamt mit 9,09 Dollar je Anteilschein. Sollte es dabei bleiben, würde praktisch kein Premium herausspringen, der Kaufpreis entspricht nahezu exakt der stark eingebrochenen Marktkapitalisierung Lucents (das im Dezember 1999 an der Börse noch 285 Milliarden Dollar wert war).

Ob das Geschäft wirklich zustande komme, sei aber weiterhin unklar. Es gebe noch immer Diskussionsbedarf bei verschiedenen "nichtfinanziellen Bedingungen", warnen Insider. Ein Streitpunkt dürfte die Entwikcklungsabteilung Bell Labs sein, gegen deren Veräußerung sich in den USA politischer Widerstand regen dürfte. In den Forschungslabors, einer "Ikone" der US-Wirtschaft, werkeln gegenwärtig rund 30.000 Mitarbeiter; seit 1925 hat die Belegschaft mehr als 40.000 Erfindungen hervorgebracht. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass Lucent noch kalte Füße bekomme und den Deal kurzfristig abblase.