Der Weg zum zufriedenen Mitarbeiter

Unternehmen sollen mehr geben als nehmen

11.11.2016
Von 
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Ob Recruiting, Mitarbeitermotivation oder Führungskultur, Managementberater Edgar K. Geffroy machte noch großen Nachholbedarf in den Unternehmen aus. Die sollten als erstes den Mitarbeiter und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen.

"Der Mitarbeiter ist der erste Kunde des Unternehmens." Mit diesem Satz bringt Edgar K. Geffroy das Umdenken auf den Punkt, das in den Köpfen der Personalentscheider schon längst stattgefunden haben müsste. Doch die Unternehmensrealität wird einem solchen Anspruch oft nicht gerecht, wie der Berater und Wirtschaftsautor beim Business Breakfast in München erläuterte. 200 Personal- und Businessverantwortliche waren der Einladung der CAREERS LOUNGE und der COMPUTERWOCHE gefolgt, um sich über die Herausforderungen der Personalarbeit im digitalen Zeitalter zu informieren.

200 Personal- und Businessverantwortliche waren der Einladung der CAREERS LOUNGE und der COMPUTERWOCHE zum Business Breakfast gefolgt.
200 Personal- und Businessverantwortliche waren der Einladung der CAREERS LOUNGE und der COMPUTERWOCHE zum Business Breakfast gefolgt.
Foto: Careers Lounge

"Wie oft hinterfragen Sie als Arbeitgeber kritisch, ob Sie noch für Bewerber interessant beziehungsweise attraktiv sind?" Diese Frage gab Jürgen Bockholdt, Chef der Careers Lounge, den Teilnehmern auf den Weg, ebenso wie die Empfehlung, die Gewinnung neuer Mitarbeiter zur Chefsache zu machen. Was das bedeuten kann, führte Geffroy in seinem Vortrag aus: Aus seiner Sicht sind Mitarbeiter der "Kittelbrennfaktor" eines jeden Unternehmens: Firmen können ihre Mitarbeiter nicht mehr halten, sie nicht motivieren und auch keine neuen Mitarbeiter finden. Der Unternehmenserfolg hänge vom Engagement der Mitarbeiter ab, so beeinflussten die unmittelbaren Kollegen das Engagement am Arbeitsplatz, eine positive Stimmung strahlt über die Unternehmensgrenzen aus: "Zufriedene Mitarbeiter erhöhen die Kundenzufriedenheit." Davon ist Geffroy überzeugt. Umgekehrt gelte aber auch: "Projekte scheitern dagegen häufig, weil Mitarbeiter nicht mitziehen."

Jürgen Bockholdt ( Careers Lounge), Edgar Geffroy, CW-Redakteur Hans Königes und CW-Chefredakteur Heinrich Vaske.
Jürgen Bockholdt ( Careers Lounge), Edgar Geffroy, CW-Redakteur Hans Königes und CW-Chefredakteur Heinrich Vaske.
Foto: Careers Lounge

Doch wie gelingt Zufriedenheit? Um diese Frage zu beantworten, empfiehlt der Berater sich stärker mit den Interessen und Motiven der Mitarbeiter auseinanderzusetzen. Ein sicherer Job bleibe für die meisten das Hauptmotiv, bei einem Arbeitgeber anzufangen. Das gelte um so mehr, als die Digitalisierung viele Jobs obsolet machen wird. Darum sei es für Unternehmen entscheidend, bereits im Vorstellungsgespräch deutlich zu machen, wohin das Unternehmen will ( und warum dieser Weg ein erfolgreicher ist). In der Praxis geschehe dies noch zu wenig, wie Jürgen Bockholdt von der Careers Lounge aus vielen Gesprächen mit Bewerbern weiß: "Fragen Bewerber nach der Unternehmensvision, kommt da oft nicht viel."

Chef soll nicht mehr kontrollieren

Daneben entscheiden aber auch das Gehalt, ein qualitatives Arbeitsumfeld, Flexibilität, etwa in Hinblick auf Arbeitszeiten, und die Beziehung zum Chef darüber, ob der Mitarbeiter zufrieden ist. Führungskräften gibt Geffroy vier Sätze an die Hand, die die veränderte Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter symbolisieren:

  • Ich will Sie.

  • Ich brauche Sie.

  • Ich verlasse mich auf Sie

  • Ich mag Sie.

Die Erkenntnis, dass der Einzelne zählt, sollte einhergehen mit dem Verständnis, dass jeder Mitarbeiter auch eigene Ziele verfolgt. Der Führungsstil sollte von klaren Zielen und Vertrauen geprägt sein anstatt von Befehl und Kontrolle.

Neben der Mitarbeitermotivation sollte die Digitalisierung Chefsache sein, forderte Geffroy. Umso mehr deshalb, weil der Digitalisierungsgrad eines Unternehmens immer mehr zum Kriterium für die die Wahl des Arbeitgebers werde. Abschließend empfahl Geffroy den Personalverantwortlichen, eine Wunscharbeitgeberstrategie zu entwickeln und eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der die Arbeitgeber "mehr geben als sie nehmen", in der Mitarbeiter zu Partnern werden, in der die Beziehungen zu Kollegen und Chef wichtiger sind als die Bezahlung und die es erlaubt, dass die Menschen alle Fähigkeiten aus sich herausholen können.