Bitdefender-Chef im Interview

"Unsere Konkurrenz sind kriminelle Hacker"

20.04.2017
Von  und


Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.

Security-Automatisierung kein Allheilmittel

COMPUTERWOCHE: Über Branchengrenzen hinweg besteht gerade im Bereich IT-Sicherheit ein eklatanter Mangel an geschulten Fachkräften. Wie könnte man diesem Problem entgegentreten? Kann auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz an dieser Stelle weiterhelfen?

TALPES: Auf lange Sicht müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass Fachkräfte ausgebildet werden. Wenn es um Automatisierung in der IT-Security geht: An dieser Stelle wird in der Industrie schon seit vielen Jahren geforscht und wir werden auch viele Prozesse im Security-Bereich automatisieren können. Aber dabei sollte man nicht vergessen, dass auch die kriminellen Hacker diese Technologien nutzen. Entscheidend ist, dass die Technologie die menschlichen IT-Security-Skills unterstützt. Insofern ist meiner Meinung nach weder Künstliche Intelligenz noch Machine Learning als der heilige Gral der IT-Sicherheit anzusehen.

COMPUTERWOCHE: Wo wir gerade bei Buzzwords sind - "Blockchain"?

TALPES: Eine tolle Innovation. Wir werden sehen, was daraus entsteht.

COMPUTERWOCHE: Sie sind gebürtiger Rumäne. Inwiefern würden Sie sagen, dass man in Ihrem Heimatland ein besonderes Händchen für IT-Security hat?

TALPES: Das Bildungssystem in Rumänien ist seit mehr als 60 Jahren auf die MINT-Fächer fokussiert. Auf lange Sicht war das eine wirklich gute Entscheidung, denn wenn es heute um die sogenannten Hightech-Skills geht, liefern Mathematik und Naturwissenschaften die Grundlage dafür. Nicht ohne Grund war Rumänien eine der ersten Nationen auf der Welt, in der von Mathematikern und Physikern gemeinsam an der Umsetzung eines Computers gearbeitet wurde. Rumänien ist in Sachen Hightech ein hervorragender Standort, das erkennen inzwischen auch immer mehr Unternehmen.

COMPUTERWOCHE: Was tut das Unternehmen Bitdefender, um selbst geeignete Fachkräfte zu finden und zu binden?

TALPES: Wir nehmen in unserem Unternehmen regelmäßig junge Leute unter Vertrag und bilden sie selbst zu IT-Security-Profis aus. Das dauert einige Jahre und erfordert unter anderem auch eine enge Zusammenarbeit mit Universitäten. Dort halten wir zum Beispiel Vorträge und Vorlesungen und erarbeiten Lehrpläne und Prüfungsmaterial für Master-Studiengänge. Wir veranstalten auch Hackathons und andere Events - es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Ausbildung von Fachkräften zu fördern.

Inzwischen arbeiten wir mit acht verschiedenen Universitäten in unterschiedlichen Projekten zusammen. Wir bemühen uns allerdings schon in der Schule um Nachwuchs und versuchen, die Kinder schon möglichst früh für IT-Sicherheit zu begeistern. Wir wollen eigene Spezialisten ausbilden und verfolgen hierzu einen langfristigen Ansatz, davon versprechen wir uns am meisten.

COMPUTERWOCHE: Welche drei ultimativen Tipps würden Sie Managern in Sachen IT-Sicherheit mit auf den Weg geben wollen?

TALPES: Sie sollten sich selbst die Frage stellen: Ist meine Infrastruktur - und die meiner Kunden - ausreichend abgesichert? Wir sehen heutzutage immer noch ganze Data Center, die völlig ungesichert sind. Der nächste Punkt ist: Sorgen Sie dafür, dass für den Fall der Fälle ein Ablaufplan vorhanden ist und auch durchgeführt wird. Das wiederum führt zu Tipp Nummer drei: Holen Sie die richtigen Leute an Bord und setzen Sie einen CISO beziehungsweise CIO ein. Für Unternehmen ist es heutzutage unerlässlich, einen beratenden Security-Spezialisten an Bord zu haben.