Problem 2000

Unpäßlichkeit statt Party

25.04.1997

Am 6. April 1997 bot sich Eberhard Diepgen, dem Regierenden Bürgermeister Berlins, die Gelegenheit, zu demonstrieren, daß Politiker noch Visionen haben. Er nutzte sie - und stellte genau 1000 Tage vor dem Wechsel ins Jahr 2000 das Programm für die angemessenen Feierlichkeiten vor. Geplant ist nebst einem prächtigen Silvesterfeuerwerk auch eine Reihe von Festveranstaltungen rund um das große Datum, die sich über 20 Monate hinziehen soll.

Zwanzig? Das laufende Jahrhundert wird demnach noch weit im nächsten verabschiedet. 2000 Sekunden oder - großzügig - Minuten wären, auch angesichts des strapazierten Haushalts, treffender gewesen.

Aber man soll in gefühlsträchtigen Momenten nicht kleinlich sein. Vielleicht kommen so auch Diepgens DV-Leute in den Genuß des einen oder anderen Buffets nebst einigen köstlichen Tropfen. Vor dem 1. Januar 2000, denn anschließend könnten sie unpäßlich sein.

Vielen ihrer Kollegen aus anderen Behörden wird es ähnlich gehen, und denen in Unternehmen auch. Alle werden sie ein Abenteuer hinter sich haben und einige danach ganz viel Freiheit. Andere dürften ihr Glück kaum fassen können. Irgendwie haben sie es doch noch geschafft, wenigstens die für ihre Arbeitgeber elementaren Programme von zwei- auf vierstellige Jahreszahlen umzustellen. In der Praxis hat geklappt, was nach den flüchtigen Tests der letzten Wochen eigentlich nicht zu erwarten war.

Viele der immer komplexeren DV-Systeme werden dagegen ausfallen - mit in mehrerer Hinsicht katastrophalen Folgen: Denn es werden auch Köpfe rollen. Leider dürften es kaum dieselben sein, die vorher über Schreibtischen in den obersten Führungsetagen thronten und sich bei dringenden Bitten nach Sonderetats zur Behebung eines Problems mit zwei Nullen geringschätzig von links nach rechts und zurück bewegten.