Unisys schafft einen Schritt vom Abgrund weg

06.03.1992

Unisys überraschte im vierten Quartal 1991 mit schwarzen Zahlen. Der drittgrößte US-Computerkonzern scheint damit trotz der immer noch belastenden Milliardenschulden zunächst den Turnaround geschafft zu haben. Mit dem guten Ergebnis für das vierte Quartal ist eine erfolgversprechende Ausgangsbasis für die laufenden Kreditverhandlungen geschaffen.

Vor dem Hintergrund der US-Zinsentwicklung in den vergangenen Monaten sollte sich die Zinsbelastung für Unisys in Zukunft deutlich niedriger rechnen. Ende des Jahres verfügte der Konzern über liquide Mittel in Höhe von 800 Millionen Dollar. Nach den Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen des vergangenen Jahres will man sich jetzt wieder verstärkt um einen Ausbau der Kundenbasis bemühen. Ansonsten bestünde, so Präsident und Chief Operating Officer Reto Braun, die Gefahr, "sich zu Tode zu sparen".

Als Übernahmekandidat kommt Unisys derzeit nicht in Frage. In der Vergangenheit wurden immer wieder Übernahmephantasien bemüht, um die Unisys-Kurse in Wallstreet in Schwung zu bringen; so auch Mitte 1991, als die Washington Post über Übernahmegerüchte im Unisys-Umfeld berichtete. Hindernis für eine Übernahme des Unternehmens war immer der Bereich Rüstungselektronik. Man kann davon ausgehen, daß zumindest Nicht-US-Interessenten keine Chance für eine Übernahme von Unisys haben werden, solange dieser sicherheitssensitive Bereich im Unternehmen steckt. Potentielle Aufkäufer wie NEC oder Toshiba dürften deshalb zunächst keinen Erfolg mit ihren Übernahmeplänen haben.

Für 1992 gehen die Unisys-Gewinnschätzungen weit auseinander und schwanken zwischen 65 Cents und 2,6 Dollar. Entsprechend schwierig ist auch die Börsenzukunft des Unternehmens einzuschätzen. Wer nach der vorsichtigen Kaufempfehlung Anfang 1991 noch in dem Papier engagiert ist, liegt nach der Kursexplosion der letzten Wochen deutlich vorne. Nach einem Tief in der Nähe von zwei Dollar kletterte der Kurs auf über zehn Dollar. Einen Teil der Gewinne sollte man durch eine Halbierung der Position sicherstellen. Für Neuengagements gilt es, eine Konsolidierung in Richtung der charttechnischen Unterstützung bei sechs bis acht Dollar abzuwarten.

*Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in München.