Umstrittener DV-Kaufmann

27.11.1974

MÜNCHEN - Im 233 000 Mann starken Heer der Datenverarbeiter gibt es nach vorsichtigen Schätzungen knapp 3700 Beschäftigte, die eine Lehre als Datenverarbeitungskaufmann (DV-Kaufmann) absolviert haben. Davon sind etwa 2600 in der Programmiersparte tätig. Zirka 1100 ausgebildete DV-Kaufleute arbeiten als Operateure. In diesem Jahr werden etwa 1300 bis 1400 DV-Lehrlinge ihre Gehilfenprüfung vor den regionalen Industrie- und Handelskammern ablegen.

Der Lehrberuf des DV-Kaufmannes, Ausbildungsdauer in der Regel drei Jahre, ist noch sehr jung: Berufsbild, Berufsbildungsplan und Prüfungsanforderungen zur Gehilfenprüfung sind am 9. Juli 1969 staatlich anerkannt worden. Kein Wunder, wenn in diesen fünf Jahren der Beruf des DV-Kaufmanns noch zu keinem starken, aussagefähigen Begriff innerhalb des EDV-Bereichs geworden ist. Oder liegt es vielmehr daran, daß dieser Lehrberuf in der Praxis nicht die erwartete Resonanz gefunden hat? Das jedenfalls behauptet Dr. Hans-Joachim Grobe, verantwortlicher Schriftleiter des Diebold-Management-Report, in seiner ausführlichen, kritischen Kommentierung, die er in der Oktoberausgabe veröffentlichte.

In der Diskussion

Vor allem die unklare Zielkonzeption - der DV-Kaufmann sollte nach erfolgreicher Ausbildung als Programmierer, Operator und als DV-Sachbearbeiter einsetzbar sein - "mache ihn zwar zu einem Mädchen für alles", aber nicht zu einer attraktiven Alternative zu den herkömmlichen Datenverarbeitungsberufen.

Computerwoche hat die kritischen Einwände bei Ausbildern in Schule und Praxis zur Diskussion gestellt und dabei festgestellt: Die DV-Kaufleute stehen in der Praxis meist ihren Mann - gerade die Frauen

unter ihnen. rai