UMA: Löst das Handy die Bürotelefone ab?

19.07.2006
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Einen wichtigen Vorteil der neuen Technik sieht Helge Tiainen, COO bei Clavister, einem Hersteller von UMA Security Gateways, darin, dass damit Mobiltelefone zentral mit Funktionen wie etwa Telefonbüchern in die Unternehmenskommunikation einbezogen werden können. "Und gleichzeitig können die Kosten für die Handy-Nutzung im Unternehmen auf ein Niveau reduziert werden, wie es der Anwender vom Festnetz her kennt", so Tiainen weiter. Ferner könnten so bestehende Dect-Infrastrukturen, die in vielen Unternehmen noch zum schnurlosen, mobilen Telefonieren vorhanden sind, kostengünstig abgelöst werden. Auch Vodafone Deutschland betrachtet UMA als eine interessante Alternative und beobachtet deren Entwicklung genau. "Allerdings können Sie die Integration des Mobilfunks in die Rufnummerngasse eines Unternehmens bereits heute mit Diensten wie unserem ,Wireless Office‘ oder den ,Corporate‘-Varianten realisieren", hält Pressesprecher Holger Witzke die Fahne für die GSM/UMTS-Technik hoch.

Bessere Indoor-Abdeckung

Nokia 6136
Nokia 6136
Foto: Nokia

Dass gerade Vodafone und O2 in Deutschland schon innovative FMC-Lösungen auf GSM-Basis entwickelt haben, räumt auch Steven Shaw, Director bei der auf UMA-Lösungen spezialisierten Kineto Wireless, ein. "Allerdings habe ich auch gehört, dass diese Dienste für die beiden Anbieter eine Herausforderung in Sachen Marge und Profitabilität sind", spricht Shaw ein anderes Problem diplomatisch an. Dadurch, dass bei UMA das klassische Internet als Transport-Backbone zum Weiterleiten der Gespräche verwendet werde, sei die Technik nämlich für die Carrier unter finanziellen Aspekten sehr interessant. "Zudem ersparen sich die Carrier mit UMA in Gebäuden mit schlechtem Mobilfunkempfang den kostspieligen Ausbau ihrer GSM-Infrastruktur", legt man bei Nokia nach.

Kostenvorteile

Diese Kostenvorteile sollen vor allem daraus resultieren, dass in den Gebäuden klassische unlizenzierte Funktechniken wie WLAN oder Bluetooth zur drahtlosen Anbindung der mobilen Endgeräte eingesetzt werden. Von den lokalen Funkstationen wird der Verkehr dann per IP-Netz, also via Internet, in das Netz des Mobilfunkanbieters oder Carriers weitergeleitet. Ein Konstrukt, das auf den ersten Blick wie eine reine VoIP-Installation aussieht. In der Praxis wird jedoch bei UMA der Sprachverkehr nicht wie bei VoIP in IP-Datenpakete zerlegt, sondern als native GSM-Verbindung durch das Internet getunnelt.