IT-Arbeitsmarkt

Überall begehrt: Technische Informatiker

23.05.2011
Von 
Peter Ilg ist freier Journalist in Aalen.

Das Landeskriminalamt Berlin beschäftigt derzeit in seinem Kompetenzzentrum Kriminaltechnik drei Technische Informatiker und hat drei weitere Stellen ausgeschrieben. Nach Angaben der Landesbehörde ist das ein Trend, der sich so fortsetzen soll: es werden immer mehr Technische Informatiker gebraucht wegen der zunehmenden Komplexität und Vielfalt der Technik. Gute Einstellungschancen haben breit Ausgebildete mit hoher technischer Kompetenz in unterschiedlichen Bereichen, etwa Betriebssystemen oder Programmiersprachen, um beispielsweise in Datensystemen Ermittlungen durchzuführen oder Software zu entwickeln für die Untersuchung von Datenbeständen. In der Kriminaltechnik soll Wissen Beweise schaffen.

Als der Berliner Schönherr gegen Studienende einen Job suchte, hatte er freie Auswahl, und weil ihm TZM mit dem Einsatz in der Forschung von Daimler den spannendsten Job bot, unterschrieb er in Göppingen. Zwei Jahre arbeitete er als Entwicklungsingenieur, im Juni 2010 ist er in den Vertrieb gewechselt. "Jetzt verkaufe ich Ingenieurdienstleistungen und Software." Auch dabei nutzt er das Wissen aus seinem Studium: "Es hilft mir, Projektinhalte zu verstehen und Mitarbeiter mit dem dazu notwendigen Know-how einzusetzen." In der technischen Breite liegt seiner Meinung nach die Würze in der Ausbildung zum technischen Informatiker.

Interview: Beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Foto: Uni Halle-Wittenberg/Paul Molitor

Technische Informatiker brauchen vertiefte Kenntnisse in Mikroelektronik und Elektrotechnik. Das unterscheidet sie von reinen Informatikern, sagt Paul Molitor, Professor für Technische Informatik an der Universität Halle-Wittenberg.

Wie wird man technischer Informatiker?

Molitor: Die Technische Informatik war stets integraler Bestandteil der Informatik. Deshalb enthalten die Curricula fast aller in Deutschland angebotener Informatik-Studiengänge Pflichtlehrveranstaltungen zur Technischen Informatik. Meist sind das traditionelle Lehrveranstaltungen etwa über Rechnerarchitektur oder Betriebssysteme. Technische Informatik aber ist mehr, so zum Beispiel die Entwicklung eingebetteter Systeme, bei der Kenntnisse aus unterschiedlichsten Fachdisziplinen eingebracht werden müssen. An zahlreichen Universitäten und Hochschulen gibt es deshalb Technische Informatik als grundständigen Studiengang.

Was unterscheidet den Informatiker vom technischen Informatiker?

Molitor: Technische Informatiker sind für mich Informatiker, die Spaß an der Entwicklung intelligenter technischer Systeme haben. Hierfür bedarf es vertiefter Kenntnisse aus dem Bereich der Mikroelektronik und der Elektrotechnik allgemein sowie gegebenenfalls aus dem Bereich der Robotik.

Wie viele technische Informatiker gibt es in Deutschland?

Molitor: Ohne dies mit Zahlen belegen zu können, habe ich tendenziell das Gefühl, dass sich immer weniger Studierende für ein Studium oder eine Vertiefung in Technischer Informatik entscheiden. Und das, obwohl diese Absolventen auf dem Arbeitsmarkt beste Chancen haben.

Wer sind typische Arbeitgeber, was typische Aufgaben?

Molitor: Firmen aus den Bereichen Automotive, Medizintechnik, Robotik, Automatisierungstechnik, Schaltungsentwurf, Unterhaltungstechnik. Ganz häufig geht es um die Entwicklung und Programmierung von Embedded Systems.

Welche Trends bestimmen den Job?

Molitor: Es sind genau diese eingebetteten Systeme. Lassen Sie mich aus einer Presseinformation des VDE zitieren: "Mit Wachstumsraten von etwa 8,5 Prozent pro Jahr erzielen Embedded Systems in Deutschland geradezu asiatische Werte. Der Grund für die wachsende Bedeutung in der Wertschöpfungskette: Eingebettete Systeme werden zunehmend zu Enablern deutscher Schlüsselbranchen."