Washington diskutiert neue Exportkontrollen für Software:

UdSSR vor Mikroeinkauf im großen Stil

01.03.1985

NEW YORK (CW) - Die Sowjetunion ist angeblich dabei, in der Bundesrepublik, Großbritannien, Frankreich und Japan umfangreiche Mikrocomputereinkäufe zu tätigen.

Wie die "New York Times" weiter berichtet, sei es das erste Mal, daß sich die Russen "offen" mit ihren Kaufwünschen an westliche Länder wenden. Möglich wurde dies aufgrund der zum 1. Januar dieses Jahres liberalisierten "Cocom"-Bestimmungen für 8-Bit-Mikrocomputer.

Nach Meinung eines IBM-Mitarbeiters in Washington habe die UDSSR entsprechende Devisen bereitgestellt, die Frage sei nur, wieviele. Leitende Mitarbeiter anderer DV-Unternehmen in den USA berichten, daß die Sowjetunion mehrere tausend Mikros einführen möchte. Die "New York Times" zitiert in ihrem Bericht auch einen der Apple-Vizepräsidenten, der erklärte, in den letzten Wochen "indirekte Kontakte" mit der UDSSR gehabt zu haben. Sinclair Research Ltd. verhandelt nach eigenen Angaben über den Verkauf von Computern für den Einsatz in sowjetischen Gymnasien.

Einige der Herstellervertreter deuteten an, daß sie auch mit dem Einsatz der Mikrocomputer in militärischen Anwendungen rechnen. Es

wäre für jeden, der versucht, diesen Warenfluß zu stoppen, reine Zeitverschwendung", meint der Mitarbeiter eines großen Computerkonzerns, der ungenannt bleiben wollte.

Vor diesem Hintergrund wird in Washington weiter über Exportkontrollen für DV-Progrmme heftig diskutiert. Branchenkreise weisen darauf hin, daß Software auf ganz einfachem Wege außer Landes geschmuggelt werden könne: auf einer Floppy Disk oder über die Telefonleitung.