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"UDDI basiert auf Peer-to-Peer-Computing"

21.12.2000
James Utzschneider, Director Web Services bei Microsoft, plaudert über die Schaffung des neuen B2B-Standards UDDI, künftige Entwicklungen und die ".NET"-Strategie der Gates-Company.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mit James Utzschneider, Director Web Services, Business Applications Division bei Microsoft, sprach CW-Redakteur Wolfgang Miedl über den neuen B2B-Standard Universal Description, Discovery and Integration (UDDI), den der Softwareriese zusammen mit dem E-Procurement-Spezialisten Ariba und dem IT-Konzern IBM entwickelt. Bei UDDI handelt es sich um einen definierten Aufbau von Web-basierten Business Directories, in denen sich Firmen mit ihren Produkten und Services registrieren und darstellen können. Das Ziel der inzwischen von 36 anderen Branchengrößen unterstützten Spezifikation ist es, dass Firmen über eine Art Gelbe Seiten im Internet leichter Geschäftspartner finden können. UDDI befindet sich derzeit im Testbetrieb.

CW: UDDI ist als neuer B-to-B-Standard in aller Munde. Können Sie hier die Zusammenarbeit von Microsoft mit IBM und Ariba etwas näher erläutern?

UTZSCHNEIDER: Bis vor einem Jahr hatten alle drei Unternehmen auf verschiedenen Feldern - beispielsweise XML oder Biztalk - miteinander gearbeitet. Wir haben einige gemeinsame Interessen erkannt und festgestellt, dass es bis dato keinen vernünftigen B-to-B-Standard gab, auf den sich die Industrie hätte einigen können. Deshalb haben wir uns entschlossen, gemeinsam eine Ebene von B-to-B-Standards zu definieren, auf deren Basis wir die Probleme lösen können, die die Akzeptanz von Marktplätzen bisher minderten.

Entscheidend war für uns aber, dass wir keine umfangreichen Spezifikationen schreiben wollten, um dann zu sehen, ob die Entwickler damit zurechtkommen. Vielmehr wollten wir auch gleich eine darauf basierende Software schreiben. Und das haben wir mit UDDI gemacht. Wir haben eine Spezifikation definiert, damit Unternehmen ihre B-to-B-Services im Internet programmatisch beschreiben können. Dann haben wir ein Web-basiertes Repository aufgebaut, das von den drei Unternehmen betrieben wird. Darin sind die programmatischen Beschreibungen der E-Services gespeichert.

CW: Mit welchen UDDI-Anwendungen ist in der näheren Zukunft zu rechnen?

UTZSCHNEIDER: Das einfachste Szenario wird die Integration von B-to-B-Marktplätzen sein. Derzeit ist es für den Teilnehmer eines Ariba-Marktplatzes wegen der uneinheitlichen Schnittstellen sehr schwierig, einen Commerce-One-Marktplatz zu kontaktieren. Mit UDDI können Firmen bekannt geben, dass sie beispielsweise einen Katalog im Commerce-One-Format anbieten.

CW: Glauben Sie, dass sich die heutigen Marktplätze behaupten können, wenn Firmen über UDDI direkt kommunizieren werden?

UTZSCHNEIDER: Die Marktplätze werden sich stark verändern, mit oder ohne den neuen Standard. UDDI wird den Prozess nur beschleunigen. Dennoch werden Marktplätze weiterhin ihre Berechtigung haben - allerdings nicht mehr als reine Vermittlungsplattform, sondern als Instanz, die beispielsweise die Bonität eines Anbieters garantiert.

CW: Werden UDDI-Dienste kostenlos sein, oder werden Anbieter wie Microsoft Nutzungsgebühren verlangen?

UTZSCHNEIDER: Unser ursprünglicher Plan ist, es kostenlos anzubieten, und wir haben unser Business-Modell dementsprechend entwickelt. Aufgrund der kleinen Datenstrukturen von UDDI benötigt man keine aufwendigen Rechenzentren, was die Kosten im überschaubaren Rahmen halten dürfte. Die Anfrage einer URL beim Domain Name Service (DNS) wird selbstverständlich als kostenlos erwartet, und für UDDI-Dienste werden die Anwender das ebenfalls voraussetzen.

CW: Für die gezielte Suche von Informationen im Web sind sowohl der DNS als auch Suchmaschinen nur eingeschränkt hilfreich. Könnte UDDI diese Dienste in Zukunft ersetzen?

UTZSCHNEIDER: Der DNS und Suchmaschinen sind heute tatsächlich schwache Navigationshilfen. Wenn Sie mit einer Suchmaschine beispielsweise ein ungarisches Restaurant in München suchen, das Online-Reservierungen ermöglicht, werden Sie durch viele nichtssagende Seiten blättern und nur mit Mühe brauchbare Informationen erhalten. Sobald UDDI-basierte Anwendungen im Web zur Verfügung stehen, wird Ihnen eine Suchmaschine zum Beispiel fünf ungarische Restaurants anbieten. Sie können dann gleich einen Tisch für vier Personen um 21 Uhr reservieren und vielleicht auch noch mit dem gleichen Vorgang das Essen in Ihrem Terminkalender eintragen lassen. UDDI setzt aber auf den DNS auf und wird von Suchmaschinen genutzt werden.

CW: Wird der Browser in diesem zukünftigen Szenario noch das Standard-Interface sein, oder entwickelt Microsoft bereits neue Benutzer-Schnittstellen?

UTZSCHNEIDER: Zunächst dürften Frontends auf Basis des HTML-3.2-Standards weiterhin dominieren, wobei XML-Rendering an Bedeutung gewinnen wird. Doch neben der heute vorherrschenden Kommunikationsform zwischen Applikation und Anwender wird mit UDDI die Kommunikation von Anwendung zu Anwendung an Bedeutung gewinnen. Es wird Mechanismen geben, die meinen Terminplaner mit dem Reservierungssystem im Web kommunizieren lassen.

CW: Ihre .NET-Strategie hat ein großes Medienecho erzeugt. Einige Kritiker meinen, dass Microsoft damit seinen traditionellen Fokus auf den PC und den Endanwender verloren hat.

UTZSCHNEIDER: Im Gegenteil, mit .NET verstärken wir den Fokus auf den PC und werden den Anwendern neue Möglichkeiten der Interaktion über das Internet geben. Bisher bestand das Web ja vor allem aus dem Darstellen von Seiten, die von Servern vorgehalten werden. In diesem Zusammenhang spielt natürlich Peer-to-Peer-Computing eine wichtige Rolle. Es ist aus unserer Sicht geradezu eine Ironie, dass derzeit Peer-to-Peer-Computing ein neuer Modetrend ist. Das ist PC-basiertes Computing, wie wir es verstehen, mit dezentralen Anwendungen, die miteinander kommunizieren. Wir arbeiten schon seit längerem an Protokollen, die den direkten Austausch von Endgeräten untereinander ermöglichen, und eine der Schlüsseltechnologien dabei ist XML.

CW: Plant Microsoft derzeit spezielle Anwendungen, die die Möglichkeiten von Peer-to-Peer-Computing stärker nutzen?

UTZSCHNEIDER: .NET ist Peer-to-Peer-Computing, und auch UDDI basiert auf genau diesem Prinzip.