Forschung an künstlicher Intelligenz

Turi Create: Apple stellt Quell-Code für maschinelles Lernen ins Netz

12.12.2017
Von  und Halyna Kubiv
Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Apple zeigt sich transparent in Sachen KI-Forschung, berichtet über Fortschritte und legt Schnittstellen offen.

Um seine Forschungen an autonomen Fahrzeugsystemen macht Apple kein großes Geheimnis mehr, allenfalls nennt Cupertino keine genauen Ziele und Zeiträume. KI-Forschung funktioniert hinter verschlossenen Türen auch schlechter als in einer offenen Wissenschaftsgemeinde, weswegen Apple schon vor mehr als einem Jahr angekündigt hatte, seine Ergebnisse zu teilen. So war es wenig überraschend, dass der Direktor für Forschung an künstlicher Intelligenz Ruslan Salakhutdinov am Freitag auf der Konferenz Neural Information Processing Systems (NIPS) in Long Beach sprach.

Turi Create
Turi Create
Foto: Github / Apple

Genauer erklärte er, wie Apple maschinelles Lernen dazu einsetze, die von an einem Fahrzeug angebrachten Kameras gelieferten Bilder auszuwerten. Apple habe zuletzt Fortschritte dabei gemacht, Fußgänger und Radfahrer zu erkennen und ihre Verhalten einschätzen zu lassen, selbst wenn sie von parkenden Autors verdeckt seien. Auch die nutzbaren Fahrspuren müssten die Systeme erkennen und dürften sich dabei nicht von Regentropfen auf den Objektiven irritieren lassen. Apple könne die ermittelten und ausgewerteten Daten auch zur Verbesserung von Straßenkarten und der Navigation nutzen.

Auf der NIPS-Konferenz ist neben Salakhutdinov Carlos Guestrin aufgetreten. Ehemals der Gründer der App für maschinelles Lernen Turi, verantwortet Guestrin bei Apple wie sein Vorredner den Bereich der KI und des maschinelles Lernens. Applaus hat er jedoch nicht für den aktuellen Statusbericht geerntet, sondern für die Ankündigung einer neuen Entwickler-Schnittstelle. In einer ungewöhnlich großzügigen Geste hat Apple den Code von Turi für alle auf Github freigegeben. Die neuen Tools von Apple geben den Entwicklern die Möglichkeit, die vorgefertigten Algorithmen des maschinellen Lernens in eigene Apps einzubauen.

So listet Apple mehrere Anwendungsbereiche, wobei Turi Create hilfreich sein könnte: Bilderkennung, Vergleich zweier Bilder auf Ähnlichkeiten, Objekterkennung bei den Bildern. Im Bereich Text könnte man mit den neuen Tools die unterschwelligen Emotionen des Nutzer bei einem Post erkennen. Der "Activity Classifier" hilft bestimmte Bewegungsabfolgen zu lernen und zu erkennen wie beispielsweise Schwimmrunden bei der Apple Watch. Das Beste ist, Turi Create ist für alle drei Desktop-Plattformen verfügbar – Linux, Windows ab Windows 10 und logischerweise macOS ab Sierra. (Macwelt)