SAP forscht

TU München baut mit SAP ein neues Forschungszentrum

17.12.2019
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Bis Ende 2022 will SAP einen dreistelligen Millionenbetrag in den Aufbau eines Forschungszentrums im Norden Münchens investieren. Über 700 Entwickler, Wissenschaftler und Studenten sollen dort an neuen innovativen Lösungen arbeiten.

In einer Forschungskooperation am Campus Garching wollen die Technische Universität München (TUM) und SAP gemeinsam an Zukunftsthemen wie künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning und Industrie 4.0 forschen. Während die bayerische Staatsregierung das Gelände zur Verfügung stellt, investiert der deutsche Softwarekonzern einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in den Bau des Campus. Auf etwa 18.000 Quadratmetern sollen hier rund 600 Entwickler von SAP sowie 130 Studierende und Forscher der TUM gemeinsam an Projekten arbeiten. Die Erschließungsarbeiten im Norden von München laufen bereits, die Grundsteinlegung ist für 2020 geplant. Starten soll der Campus Ende 2022.

Der Uni-Campus in Garching, im Norden von München, soll in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden.
Der Uni-Campus in Garching, im Norden von München, soll in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden.
Foto: TUM Pro Lehre Medienproduktion

Den Ausschlag für den Standort Garching habe die hohe Qualität der Lehre im Fach Informatik an der TU München gegeben, verlautete von Seiten SAPs. Neben dem Firmenhauptsitz in Walldorf und dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam soll damit ein dritter Entwicklungs- und Forschungsschwerpunkt entstehen. Es sei die "deutschlandweit umfangreichste Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft zwischen einem Unternehmen und einer Universität", hieß es von Seiten der Kooperationspartner.

Auf der Suche nach den Talenten von morgen

Christian Klein, einer von zwei SAP-Chefs, sprach von einem freudigen Tag für SAP und einer guten Botschaft für den Standort München und für Deutschland. Der Manager betonte die Chance für junge Talente, ihre Forschungsergebnisse in den Markt zu bringen. Darüber hinaus verspricht sich SAP von der Kooperation einen besseren Zugang zu Nachwuchskräften.

Erst Ende November hatte der IT-Lobbyverband Bitkom gemeldet, dass die Zahl der offenen Stellen für IT-Fachkräfte in Deutschland eine neue Rekordmarke erreicht habe. Demzufolge gibt es aktuell 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Das entspreche einem Anstieg um 51 Prozent verglichen mit dem Vorjahr (82.000). Innerhalb von zwei Jahren habe sich die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt (2017: 55.000). Klein zufolge hat sich der Kampf um IT-Spezialisten verschärft, weil auch andere Branchen wie der Maschinenbau und die Automobilhersteller massiv um Informatiker buhlten.

SAP-Chef Christian Klein, Wissenschaftsminister Bernd Sibler, und TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann (von links) nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
SAP-Chef Christian Klein, Wissenschaftsminister Bernd Sibler, und TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann (von links) nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags.
Foto: Uli Benz / TUM

Thomas Hofmann, Präsident der TUM, verwies derweil auf stark steigende Studentenzahlen. Derzeit zähle die Universität rund 6500 Studierende im Fach Informatik. Für den Wissenschaftler geht es vor allem auch darum, die Attraktivität der TUM zu erhöhen, um mehr IT-Talente in die bayerische Landeshauptstadt zu locken. Dabei spielten Kooperationen wie die mit SAP eine wichtige Rolle. Kräfte zu bündeln und wichtige Spieler zusammenzubringen sei ein Meilenstein für die Innovationskraft des Standorts.

"Gemeinsam bilden wir eine Speerspitze in der Technologierevolution der Digitalisierung und unterstützen den Freistaat in der Umsetzung seiner Hightech Agenda Bayern", sagte Hofmann. Diese erste "Industry-on-Campus"-Initiative sei ein wichtiger Bestandteil der eigenen TUM AGENDA 2030 im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder.

Lehre aus der IT-Steinzeit

SAP-Chef Klein kritisierte anlässlich des Festakts, dass es im Bereich der Informatik-Lehre hierzulande durchaus Verbesserungsbedarf gebe. Der Manager berichtete von den Klagen mancher Studenten, denen zufolge im Rahmen ihres Informatikstudiums noch Inhalte aus dem Jahr 1998 vermittelt würden. Klein vermied es, Namen und Standort der Universität zu nennen, mahnte jedoch an, dass Lehrinhalte schnellstens an aktuelle Anforderungen und technologische Entwicklungen angepasst werden müssten.

Hofmann nahm den Ball auf und sagte, dass auch in anderen Fachbereichen wie beispielweise den Agrarwissenschaften, der Chemie sowie im Marketing und Maschinenbau digitale Skills immer wichtiger würden. Im Grunde genommen müssten IT-Inhalte in jeden Studiengang einfließen. Hofmann forderte, angesichts dieser Entwicklungen Ressourcen umzusteuern und Mittel neu zu allokieren.

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler verwies an dieser Stelle auf die Bemühungen der bayerischen Staatsregierung, mehr junge Menschen für MINT-Fächer zu begeistern. Darüber hinaus gehe es aber auch darum, international Studenten zu gewinnen.

Sichtbarkeit für den Standort sei dabei ein zentraler Punkt. Im Zuge der Technologie-Offensive, die Ministerpräsident Markus Söder mit der "Hightech Agenda Bayern" beschrieben habe, würden außerdem Forschungsbudgets aufgelegt, um neue Professuren im Bereich Informatik zu finanzieren. Der CSU-Politiker kündigte außerdem eine Reform des Hochschulrechts an, um Ausgründungen aus dem universitären Umfeld zu erleichtern und damit Startups den Weg in den Markt zu ebnen.

Plan des Campus in Garching: SAP positioniert sich in direkter Nachbarschaft zu den Universitätsinstituten.
Plan des Campus in Garching: SAP positioniert sich in direkter Nachbarschaft zu den Universitätsinstituten.
Foto: ediundsepp /TUM

Zum Managing Director des SAP-Labs und Leiter des SAP-Standorts in München wurde Stefan Wagner ernannt. Er leitet seit 2018 globale strategische Partnerschaften sowie Forschungs- und Entwicklungskooperationen im Großraum China. Von 2011 bis 2014 stand Wagner bereits als Managing Director den SAP Labs Latin America in São Leopoldo, Brasilien, vor. Das weltweite Netzwerk der SAP Labs besteht nun aus 21 Forschungsstätten.

"Im Schulterschluss mit der TUM schlagen wir eine wichtige Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft", sagte Thomas Saueressig, im Vorstand der SAP zuständig für das Product Engineering. Der Manager sprach von einer Investition in die Zukunft. SAP freue sich darauf, die Zusammenarbeit mit der TUM weiter zu vertiefen. TUM-Präsident Hofmann ergänzte, dass der Campus Garching wissenschaftliche Exzellenz mit wirtschaftlicher Anwendung verbinde. "Verstärkt durch die Kooperation der TUM mit SAP SE entsteht nun ein führendes europäisches Kraftfeld für Forschung - und Lehre in der Daten- und Informationstechnologie."