Studie IT-Trends 2018

Trends und Hypes in der IT – was CIOs wirklich bewegt

22.02.2018
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Virtual Reality und Chatbots kommen nur langsam

Selbst auf Gebieten wie Marketing und Gaming, wo VR/AR bereits zum Einsatz kommt, sind langsame Mobilfunknetze und teure Hardware ein Hindernis. Capgemini kommt zu dem Schluss, das Thema sei "im Moment, wenn überhaupt, nur für Unternehmen im Endkundengeschäft interessant, darunter die Automobil- und Telekommunikationsbranche, Tourismus und Verkehr". 60 Prozent der Befragten beschäftigen sich derzeit nicht mit VR/AR.

Ähnlich verhält es sich mit den vermeintlich "heißen" Natural (Language) User Interfaces. Hier geht es um die Bedienung von Geräten durch gesprochene Sprache, Gesten und geschriebene Befehle. Obwohl es eine Reihe von funktionierenden Chatbot-Piloten gibt, ist die breite Masse der Anwender noch nicht an Bord. Einige Branchen, insbesondere Industriekonzerne, der Automotive-Sektor und die Energieversorger, sind allerdings fortgeschrittener als die breite Masse der Unternehmen. Die Relevanz dürfte auch in den anderen Märkten steigen.

Robotic Process Automation immer noch in den Startlöchern

Ähnlich verhält es sich mit Robotic Process Automation (RPA). Dahinter verbergen sich verschiedene Technologien, mit denen sich die Abwicklung repetitiver Verwaltungsprozesse anwendungsübergreifend automatisieren lässt. Hier übernehmen Computer die Arbeit von Menschen und erhöhen im Idealfall sowohl die Effizienz als auch die Qualität der Arbeit - ein hochpolitisches Thema also. Dazu ist die Unterstützung der IT-Abteilung nicht einmal zwingend erforderlich. Wenn die Technologie eingerichtet ist, kann die Fachabteilung selbst ihre Prozesse automatisieren.

RPA-Systeme arbeiten direkt mit den Frontends von Anwendungen wie CRM, Dokumenten-Management, Datenbanken oder Office. Deshalb können sie recht einfach in vorhandene Anwendungslandschaften integriert werden. Sie werden auch eingesetzt, um ältere Systeme zu automatisieren, ohne diese grundlegend verändern zu müssen. Das Thema ist nicht neu, der Einsatz dieser Technologien seit einigen Jahren möglich. Sie verbreiten sich bislang aber überraschend langsam. Von den Umfrageteilnehmern nutzen derzeit nur etwas mehr als zwei Prozent RPA.

Knapp zehn Prozent implementieren derzeit aber ein System und 20 Prozent sind im Planungsstadium. In Märkten mit vielen Backoffice-Prozessen wie zum Beispiel der Versicherungsbranche genießt RPA bereits eine breite Aufmerksamkeit, wie zahlreiche Pilotprojekte zeigen. RPA wird als ein Wegbereiter für angewandte künstliche Intelligenz und selbstlernende Roboter gesehen, wodurch die Nachfrage in Zukunft vermutlich rasch anwächst (siehe auch: Interview mit Michael Schulte, Chairman des Country Boards Germany bei Capgemini).

Cognitive Computing - in Zukunft vielleicht

Der Begriff Cognitive Computing steht für lernende Systeme, die Entscheidungen auf der Basis strukturierter und unstrukturierter Informationen treffen können. Nicht mithilfe einer programmierten Entscheidungslogik, sondern anhand von historischen Fällen lernen diese Systeme, die Regeln und Kriterien hinter Entscheidungen zu ergründen und auf aktuelle Fälle anzuwenden. Die Technologie ist neu, ihr Erfolg hängt zum einen von der Entwicklung im Bereich künstlicher Intelligenz (zum Beispiel Machine Learning, Visual Recognition und Natural Language Understanding), zum anderen von der Verfügbarkeit von Trainingsinformationen ab. Genutzt wird Cognitive Computing derzeit noch von keinem der von uns befragten CIOs, immerhin jeder Fünfte zeigt jedoch Interesse. Ob, wann und wie derartige Systeme alltagstauglich werden, ist derzeit offen.

Der Digital Twin überfordert Anwender

Elektronische Geldbörsen und Digital Twins sind aus Sicht von Capgemini ebenfalls Hoffnungsträger, die ihr Potenzial erst noch entfalten müssen. Auf "Mobile Wallets" umzusteigen, sei für deutsche Konsumenten immer noch wenig reizvoll, da die Verbraucher Sicherheitsbedenken hätten und mit den verfügbaren Zahlmöglichkeiten ganz zufrieden seien. Und der digitale Zwilling sei als Technologie noch zu neu und erscheine vielen Anwendern als zu aufwändig, um damit zu arbeiten. Er sieht vor, dass ein virtuelles Abbild eines Produkts, einer Maschine oder einer Anlage erstellt wird, um damit anhand von Daten Situationen zu simulieren, deren realer Aufbau sehr aufwändig und kostspielig wäre. Unternehmen können mit einem Digital Twin beispielsweise am Rechner ermitteln, wie Materialien auf Temperaturschwankungen reagieren, sich ein System bei einem Stromausfall verhält oder der Austausch bestimmter Komponenten den Energieverbrauch beeinflusst.

Hacken für die gute Sache

Nachrangige Themen, die aber einen auffälligen Sprung nach vorne gemacht haben, sind Ethical Hacking, Software-defined Networking etc.
Nachrangige Themen, die aber einen auffälligen Sprung nach vorne gemacht haben, sind Ethical Hacking, Software-defined Networking etc.
Foto: Capgemini

Schließlich wirft Capgemini auch einen Blick auf die Technologien, die in den letzten zwölf Monaten den stärksten Bedeutungszuwachs erfahren haben. Ganz vorne im Ranking ist das Ethical Hacking: Unternehmen lassen dabei ihre Netze von professionellen Hackern angreifen und auf Schwachstellen überprüfen. Auf der Überholspur sind überdies Process Mining sowie Software-defined Networking und Software-defined Storage.