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Torvalds erklärt die Marschroute

12.08.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Das Interesse an Linux reißt nicht ab. Auf der zweiten offiziellen Linux-Großveranstaltung „Linuxworld“ verkündete Linus Torvalds die Pläne rund um den aufsteigenden Stern am Betriebssystem-Himmel.Dabei dürften die Worte des prominentesten Open-Source-Anhängers auf manche Linux-Enthusiasten ernüchternd gewirkt haben: Die Chance, daß Linux Windows den Garaus bereiten könnte, seien nicht allzu hoch. Es sei ungemein schwierig in den Markt einzudringen, der von einem einzigen Betriebssystem gänzlich kontrolliert werde: „Kein Geld dieser Welt kann diesen Umschwung erleichtern“, erklärte Torvalds vor Hunderten von Linux-Anhängern im kalifornischen San Jose. Die IBM habe mit OS/2 bereits die schmerzliche Erfahrung machen müssen, daß der Wechsel einer Betriebssystem-Basis für die meisten Anwender eine Qual sei.

Dies sei auch der Grund, weshalb Linux auch künftig weniger für den Einsatz auf dem Desktop, als auf dem Server Furore machen werde – und zwar vor allem in mittelgroßen bis großen Unternehmen. Ernstzunehmende Chancen für den Einsatz in kleineren Betrieben oder gar im Heimbereich räumt der Finne dem Open-Source-Produkt erst ein, wenn Hersteller wie etwa Corel mit eigenen, speziell für den Endanwender entwickelten Linux-Distributionen in den Markt drängen. Zwischenzeitlich bestätigte der Linux-Gründer Gerüchte, wonach der japanische Elektronik-Riese Sony mit der Portierung von Linux auf Playstation-Konsolen begonnen hat.

Torvalds nutzte die Aufmerksamkeit der Audienz, um über kommende Versionen des Unix-Ablegers zu informieren: „Die Entwicklung für das Release 2.2 dauerte viel zu lange. Viele Anwender waren äußerst frustriert“, so der Finne. Um das erwartete Release 2.4 bis Ende des Jahres freigeben können, habe er Pläne über neue Funktionen ad acta gelegt. Er konzentriere sich stattdessen auf die Verbesserung bestehender Funktionen. Dazu gehören laut Torvalds ein überarbeitetes symmetrisches Multiprocessing (SMP), verbesserter Support für den „Universal Serial Bus“ (USB) und intelligentere Ein-Ausgabe-Standards (I2O).

Fehlen sollen dem Release 2.4 hingegen Features, die das Linux-Team bereits fest eingeplant hatten. So seien das Journaling-Dateisystem sowie die Unterstützung für den kommenden Intel-Chip „Merced“ wieder in weitere Ferne gerückt. Ebenso sollen das Source-Control-System sowie Clustering-Eigenschaften erst in „einem oder zwei Jahren“ mit der Version 3.0 folgen.