Extreme Remote Banking

Tipps für Banken gegen den Verlust der Kundennähe

23.08.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Vincenzo Fiore ist Gründer und CEO von Auriga. Nachdem er 1988 sein Studium der Informationswissenschaften mit einem Diplom abgeschlossen hatte, war er zunächst als Consultant im Bereich der technischen Informatik tätig. Er ist Experte auf dem Gebiet der Software und Anwendungslösungen für den Bankensektor und andere Finanzinstitute, insbesondere für Bezahlsysteme und das Omnichannel-Banking.

Von Zusammenarbeit profitieren

Die Anschaffung und der Unterhalt von Geldautomaten kann teuer sein. Deshalb sind Finanzinstitute vermehrt auf der Suche nach Partnerschaften. Im Rahmen von Kooperationen lassen sich nicht nur die Betriebskosten senken. Banken erhalten auch Zugang zu einem größeren Netz und der Möglichkeit, mehr Dienstleistungen über Geldautomaten zu vermarkten.

Kooperationen mit lokalen Händlern im Rahmen von White-Label-Geldautomaten können eine Lösung sein: Sie gehören Nicht-Bankenorganisationen und werden auch von diesen betrieben. Solche Automaten könnten es beispielsweise Geschäften oder Supermärkten ermöglichen, zusätzliche Einnahmequellen in ländlichen Gebieten zu schaffen, da sie bei jeder Nutzung eine Abwicklungsgebühr erhalten.

Kooperation ist auch das Stichwort für sogenannte Business Banking Hubs, die es schon in UK gibt. Bei diesem Modell vereinheitlichen Banken ihr Filialnetz und errichten gemeinsam mit Partnern Zentren, um Kosten zu sparen. Dieses Filialdesign ist nicht nur für Verbraucher interessant, sondern auch für kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land, da sie unter anderem von verlängerten Öffnungszeiten profitieren. Das ist vor allem nützlich, wenn sie zum Beispiel die täglichen Einnahmen noch am Abend einzahlen möchten.

Bankfiliale auf vier Rädern

Neben der Modernisierung von Filialmodellen gibt es schließlich zahlreiche weitere Wege, wie Landbewohner zu Bargeld und Banking-Services kommen. So schicken Geldhäuser wie beispielweise die Mittelbrandenburgische Sparkasse zunehmend "mobile Filialen" in Form von Bussen in entlegene Regionen, um Kundennähe zu wahren.

Beratung per Video

Darüber hinaus sind Video-Banking-Angebote in Filialen besonders nützlich, um Serviceangebote auszuweiten und Kunden auf dem Land zu erreichen. Mit Video-Tools können kleine Standorte in abgelegenen Landesteilen, in denen das Betreiben einer Full-Service-Filiale nicht rentabel ist, Dienstleistungen anbieten, die sonst nur in städtischen Gebieten verfügbar sind.

Wie das Londoner Forschungs- und Beratungsunternehmen RBR in einem aktuellen Bericht festhält, kann mit dem Einsatz von Technologie ein Bankberater mehrere Filialen betreuen und den Kunden eine größere Vielfalt an Transaktionen und Beratung aus der Ferne bieten. Auf diese Art erhalten Bankkunden persönliche Unterstützung, ohne dass Personal vor Ort sein muss. Und das betrifft nicht nur beratungsintensive Themen wie Kredite oder Anlagen, sondern auch Hilfestellung beim Einreichen von Schecks oder Abheben von Bargeldstückelungen, die nicht von allen Geldautomaten angeboten werden. Von Video Banking profitieren Banken und Kunden gleichermaßen.

Handeln ist angesagt

Der Handlungsbedarf für deutsche Banken beim Extreme Remote Banking ist groß, wenn nicht sogar größer denn je, und sollte bei den Verantwortlichen ganz oben auf der Agenda stehen. Nicht nur wegen der moralischen Verantwortung, den Zugang zu Finanzdienstleistungen aufrechtzuerhalten, sondern auch, weil Banken Chancen verpassen würden, davon zu profitieren.