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Time Warner will AOL zum Abonnentendienst umbauen

11.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um die Internet-Sparte America Online (AOL) aus ihrer gegenwärtigen Krise zu führen, plant der Medienkonzern Time Warner einen radikalen Umbau des Geschäftsbereichs: Während die Einnahmen des Online-Dienstes bislang vor allem aus Gebühren für den Internet-Zugang bestanden, soll AOL künftig verstärkt mit Pay-Content sein Geld verdienen, indem es zu einem Vertriebskanal für TV-Sendungen und Filme wird. "AOL muss sein Geschäftsmodell verändern", sagte Time-Warner-Chef Richard Parsons gegenüber der "Financial Times Deutschland". Schlüssel für langfristiges Wachstum der Sparte sei der Umbau zu einem Produkt, das die Kunden selbst dann kaufen, wenn sie über einen anderen Provider ins Internet gehen, so der Topmanager.

Der Plan sieht laut Parsons vor, dass AOL anfangs externen Content wie Nachrichten, Wettdienste oder Musik einkauft. Genauso wie beim US-Bezahlsender HBO, einer weiteren Time-Warner-Tochter, müssten jedoch kleine exklusive Extrazusätze das Angebot ergänzen. 2004 werde man herausfinden, ob das Unternehmen damit die Formel für ein überzeugendes Breitband-Angebot gefunden hat, schätzt Parsons.

Der Online-Dienst verbucht insbesondere in seinem Heimatland USA einen dramatischen Rückgang der Abonnentenzahlen: Ende September zählte der Marktführer noch 24,7 Millionen Nutzer, nachdem innerhalb eines Jahres zwei Millionen Kunden ihr Abonnement kündigten und vor allem auf breitbandigere Zugänge umstiegen. Um den Exodus zu stoppen und Neukunden für seinen lahmenden Internet-Dienst zu werben, bietet AOL seit kurzem Abnehmern eines einjährigen Abonnements in den USA ein PC-Set für 299 Dollar an (Computerwoche online berichtete). Gleichzeitig kündigte die Company am Dienstag die Entlassung von weiteren 450 Mitarbeitern an, um die Betriebskosten zu senken (Computerwoche online berichtete). (mb)