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Time Warner vermisst Daten von 600.000 Mitarbeitern

03.05.2005
Der US-Medienkonzern Time Warner vermisst Bänder mit Daten von 600.000 Mitarbeitern. Ob diese "nur" verloren gingen oder gestohlen wurden, ist unbekannt.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Langsam fällt es schwer, den Überblick zu bewahren, welchem Großunternehmen vertrauliche Daten im großen Stil abhanden kommen. Der jüngste Fall passierte bei der Time Warner Inc.: Dem Medienkonzern kam ein kompletter kühlschrankgroßer Behälter mit Massenspeicherbändern abhanden. Auf diesen waren persönliche Informationen von insgesamt etwa 600.000 Time-Warner-Beschäftigten und ehemaligen Angestellten abgelegt. Allerdings sollen keine Daten von Kunden des Konzerns abhanden gekommen sein.

Verantwortlich für den Verlust ist offensichtlich die Firma Iron Mountain Inc. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen aus Boston, das sich auf Datenspeicherungen spezialisiert hat. Die Datenbänder gingen auf dem Weg vom Time-Warner-Hauptsitz in New York zu einem Rechenzentrum von Iron Mountain in New Jersey verloren. Das Transportfahrzeug machte 18 Zwischenstopps. Als man im Datenspeicherzentrum in New Jersey ankam, seien die Bänder verschwunden gewesen. Trotz einer sofort eingeleiteten Routenkontrolle seien sie nicht wieder aufgetaucht. Nach den Worten einer Sprecherin von Iron Mountain ist unklar, ob die Bänder gestohlen oder an eine falsche Adresse geliefert wurden oder ob sie verloren gingen. Auch der Secret Service wurde in die Untersuchungen eingeschaltet.

Iron Mountain hatte auch Datenspeicher der Bank of America verloren (vergleiche COMPUTERWOCHE ONLINE). Seinerzeit waren Daten von 1,2 Millionen Kunden betroffen. Insgesamt gelangten in jüngster Zeit allein in den USA in mehr als einem halben Dutzend Fällen massenhaft persönliche Daten von Privatpersonen in die falschen Hände (siehe COMPUTERWOCHE ONLINE).

Die Sprecherin von Iron Mountain, Melissa Burmann, sagte, dass der neuerliche Vorfall bereits der vierte in diesem Jahr war, bei dem ihrer Firma Daten abhanden gekommen seien. Sie schrieb den Datenverlust bei Time Warner "menschlichem Versagen" zu. Der Fahrer des betreffenden Transporters ist entlassen worden.

Experten haben festgestellt, dass zeitgleich mit dem zunehmenden Verlust von Daten der Schwarzmarkt für diese Informationen im Internet zunimmt. Kreditkartennummern, Führerscheinlizenznummern etc. werden nach den vorliegenden Informationen für bis zu 100 Dollar weitergegeben, zitiert das US-Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal" Insider. (jm)