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Thierry Breton wird neuer Chef von France Télécom

02.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Verwaltungsrat von France Télécom hat Thierry Breton am heutigen Mittwoch zum neuen Konzernchef gewählt. Breton löst den bisherigen CEO Michel Bon ab, der im September nach Unstimmigkeiten über die geplante Sanierung des Carriers seinen Rücktritt angekündigt hatte. Während Bons Amtszeit sind die Schulden des halbstaatlichen TK-Unternehmens auf über 70 Milliarden Euro angestiegen. Auf die Kappe des Topmanagers geht etwa der glücklose Einstieg beim Mobilfunkanbieter Mobilcom. Den dabei entstandenen Streitigkeiten mit dem ehemaligen Chef des norddeutschen Unternehmens, Gerhard Schmid, hat es France Télécom unter anderem zu verdanken, dass der Kurs der Aktie in diesem Jahr bereits mehr als 80 Prozent gefallen ist.

Der noch amtierende CEO von Thompson Multimedia tritt ein schweres Erbe an: Im nächsten Jahr werden bei dem TK-Konzern Verbindlichkeiten in Höhe von 15 Milliarden Euro fällig, eine dringend nötige Kapitalerhöhung ist angesichts des Börsenkurses von France Télécom und der bereits hohen Staatsverschuldung allerdings problematisch. Auch das Drehen an der Kostenschraube gestaltet sich als schwierig: Ende vergangenen Jahres besaßen noch knapp 80 Prozent der insgesamt rund 147.000 Angestellten des ehemaligen Staatskonzerns in Frankreich Beamtenstatus und sind deshalb nahezu unkündbar.

Der 47-jährige Breton muss daher zum dritten Mal sein Fingerspitzengefühl als Krisenmanager unter Beweis stellen. Mitte der 90er Jahre war der Ingenieur maßgeblich an der (vorübergehenden) Rettung des französischen Computerbauers Bull beteiligt. In den vergangenen fünf Jahren gelang es dem Topmanager als Vorstandsvorsitzender, den Elektronikkonzerns Thomson Multimedia - wiederum mit Hilfe kapitalkräftiger Investoren aus der Industrie - zu sanieren. Während dieses Zeitraums ist der Umsatz des Unternehmens um über 80 Prozent gestiegen, Thompson ist mittlerweile nahezu schuldenfrei, gleichzeitig schrumpfte die Beteiligung des Staats von 100 auf rund 22 Prozent, über die Hälfte der Firmenanteile sind im Streubesitz.

Breton will sich laut Presseberichten zwei Monate Zeit nehmen, um Details des anstehenden Sparkurses für France Télécom bekannt zu geben. (mb)