Mobile World Congress 2018

Telekom sieht sich bei 5G im Plan



Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wie allgemein auf dem diesjährigen Mobile World Congress zu beobachten, steht auch bei der Telekom das Thema 5G hoch im Kurs. Der Carrier will bei dem neuen Mobilfunkstandard eine Führungsrolle in Europa einnehmen und treibt die Entwicklung mit Testfeldern und der Aufrüstung der Netzinfrastruktur voran.

"Wir sind voll im Zeitplan für 5G, damit es 2020 losgehen kann", verkündete Claudia Nemat, Vorstand für Technologie und Innovation, bei der traditionellen Telekom-Pressekonferenz auf dem MWC. Wichtig sei es bis dahin, möglichst viel Erfahrung gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen zu sammeln. Nemat verwies dabei auf den Erfolg der Telekom, wichtige Meilensteine auf dem Weg zu 5G zu setzen. Vor zwei Jahren habe man den Weltrekord von einer Millisekunde Latenzzeit erreicht, auf dem MWC 2017 dann eine garantierte Latency von unter 10 Millisekunden und im Oktober die erste europäische 5G-Verbindung in einem bestehenden Mobilfunknetz in Betrieb genommen.

Telekom-Chef Höttges und Claudia Nemat
Telekom-Chef Höttges und Claudia Nemat

5G-Interoperabilität demonstriert

Als diesjährige Weltpremiere konnte die Telekom in ihrem 5G-Testnetz die Interoperabilität zwischen einer Basisstation von Huawei und einer 5G NR Plattform von Intel unter Beweis stellen. Die Technikdemo erfolgte auf Basis des 3GPP R15-Standards 5G New Radio (NR), der Ende Dezember 2017 verabschiedet wurde, und die Voraussetzung für die Entwicklung marktreifer, sprich interoperabler, 5G-Ausrüstung darstellt.

Claudia Nemat zeigt die bisherigen Fortschritte der Telekom auf den Weg zu 5G auf.
Claudia Nemat zeigt die bisherigen Fortschritte der Telekom auf den Weg zu 5G auf.

Auch bei den künftigen Anwendungsfeldern ist die Telekom eifrig bemüht, praktische Erfahrungen zu sammeln. Als Beispiel verwies Nemat auf ein gemeinsames Vorhaben der Telekom mit der Stadt Dresden und der Technischen Universität Dresden, ein Testfeld für Energieanwendungen über 5G zu entwickeln. Hier soll der neue Mobilfunkstandard mit seiner vielfach höheren Datenkapazität, den sehr geringen Reaktionszeiten und seiner extrem hohen Verlässlichkeit (QoS) die Grundlage schaffen, um dezentral erzeugte Energie intelligent zu steuern und zu verwalten. Die herkömmlichen Stromnetze seien dafür zu dumm, so Nemat. Noch in diesem Jahr sollen über LTE erste Tests anlaufen, bevor das Projekt dann auf 5G-Technologie ausgeweitet wird.

Seit Anfang Februar testet die Telekom außerdem ein 5G-Netz im Hamburger Hafen. Dafür wurde auf dem Fernsehturm der Hansestadt die notwendige Sendetechnik installiert, die insgesamt 8000 Hektar Hafengebiet versorgt. Gemeinsam mit Nokia und der Hamburg Port Authority (HPA) testet die Telekom, wie die Steuerung von Ampelanlagen oder die Aufnahme von Messdaten aus der Umwelt mit 5G funktionieren. Die einzelnen Dienste nutzen die Technik "Network Slicing", wobei Netzbereiche je nach Nutzer virtuell getrennt betrieben werden.

Netzausbau als Vorbereitung

Ein weiteres Teil des 5G-Puzzles ist der Ausbau der dafür benötigten Netzinfrastruktur. Nemat zufolge hat die Telekom allein im vergangenen Jahr in Deutschland 40.000 Kilometer Glasfaser verlegt, dieses Jahr sollen weitere 60.000 Kilometer hinzukommen. Außerdem ist der Carrier gerade dabei, die Mobilfunkantennen 5G-ready zu machen und die Single-RAN entsprechend zu modernisieren.

Ein ganz anderes Netz stellte Telekom-Chef Höttges in einer Videoschaltung mit Manuel Neuer vor: Das European Aviation Network
Ein ganz anderes Netz stellte Telekom-Chef Höttges in einer Videoschaltung mit Manuel Neuer vor: Das European Aviation Network

"Kern unserer Strategie ist das Netz" erklärte dazu Telekom-Chef Tim Höttges. "Das Netz, an dem wir Tag für Tag arbeiten, das mit den Zukunftswünschen unserer Kunden wächst und das mit 5G in neue Dimensionen vorstoßen wird."

5G als FTTH-Alternative

Mit neuen Dimensionen meinte Höttges dabei nicht nur die höhere Bandbreite und die reduzierte Latenzzeit, sondern eventuell auch Gebiete, in denen für die Breitbandanbindung auf der letzten Meile (FTTH) bislang unterirdisch Glasfaserleitungen verlegt werden mussten - oder eben auch nicht (Vectoring).

Insgesamt sieht die Telekom daher drei zentrale Anwendungsbereiche für die neue Mobilfunkgeneration: So könne 5G andere fortschrittliche Technologien ergänzen, um Gigabit-Speed bis nach Hause zu bringen - Stichwort Fixed-Wireless-Access. Außerdem gebe es marktrelevante Business-Cases im B-to-B-Sektor, etwa im Energiesektor und später im Healthcare-Bereich. Last, but not least erhofft sich die Telekom mit 5G eine Erhöhung der Kapazität in den Netzen, diese sei notwendig, nachdem der Traffic pro Jahr um 45 Prozent ansteigt, erklärte Telekom-Chef Höttges.

2G- und 3G-Netze vor dem Aus

Die neue Generation des Mobilfunks sei effektiver bei der Ausnutzung des Spektrums, gleichzeitig werde für 5G aber mehr Spektrum benötigt. Laut Höttges sollen dabei auch bislang für 2G und 3G genutzte Frequenzbänder für 5G umfunktioniert werden, ähnlich wie die Telekom seit gut einem Jahr das umgewidmete 900-mHz-Band für LTE nutzt.

Ein wichtiger Aspekt beim geplanten 5G-Rollout ist außerdem die noch für 2018 geplante Frequenzversteigerung der Bundesnetzagentur. So befürchtet die Telekom, ähnlich wie bei LTE für die dringend benötigten Frequenzen Milliarden von Euros berappen zu müssen. "Wir liegen bei 5G gut im Rennen, erklärte Höttges. "Jetzt geht es darum, dass uns keine regulatorischen Hürden in den Weg gelegt werden."