Für Bewegungsströme

Telekom liefert Handydaten an RKI für Corona-Bekämpfung

18.03.2020
Von  und
Halyna Kubiv ist Content Manager bei Macwelt
Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Um große Bewegungsströme der Nutzer zu identifizieren, spendet die Deutsche Telekom Handydaten an das Robert-Koch-Institut.

Das Vorgehen ist nicht neu, andere Länder setzten die Datensammlung ebenfalls ein: Zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus hat die Deutsche Telekom gestern Abend rund 5 GB mobile Daten seiner Nutzer an das Robert-Koch-Institut übergeben. Technisch gesehen handelt es sich um die sogenannten Signalisierungsdaten: Eine Kombination aus Zeit und Standort, heißt, wann sich ein Nutzer in eine Daten- oder Sprachverbindung eingewählt hat und bei welchem Funkmast diese Verbindung stattgefunden hat.

Signalisierungsdaten sollen dem RKI dabei helfen, anonyme Bewegungsströme zu modellieren.
Signalisierungsdaten sollen dem RKI dabei helfen, anonyme Bewegungsströme zu modellieren.
Foto: O2

Die Telekom versichert, dass die Rückschlüsse auf die einzelnen Nutzer nicht möglich sind, die Daten kommen gebündelt in einem Datensatz von mindestens dreißig Nutzern. „Die Signalisierungsdaten werden in Echtzeit anonymisiert, aggregiert, in Massenstatistiken umgewandelt und stehen erst nach Abarbeitung dieser Arbeitsschritte zur Auswertung bereit“, so die Telekom-Pressesprecherin gegenüber dem Tagesspiegel. Das Robert-Koch-Institut kann jedoch diese Daten auswerten und anonymisierte Bewegungsströme auf dem Bundesgebiet bis zur Gemeinde-Ebene modellieren. So lässt sich beispielsweise vorhersehen, an welchen Orten zu welcher Uhrzeit sich besonders viele Menschen aufhalten und diesem gegebenenfalls vorbeugen.

Das könnte ein probates Mittel gegen die weiterhin exponentielle Ausbreitung des Virus in Deutschland sein, es ist aber keineswegs sicher, dass diese Maßnahmen ausreichen. Autoritäre Diktaturen und Demokratien in Asien gehen schon in normalen Zeiten wesentlich weiter bei der digitalen Überwachung der Bürger und können Bewegungsprofile von Individuen erstellen. Kein wünschenswertes Modell für Europa, aber der Erfolg gibt den Methoden vorerst recht: Die strengen Präsidialrepubliken Taiwan und Singapur haben die Epidemie quasi im Keim erstickt, Südkorea hat mit konsequentem Testen und Isolieren Infizierter das Wachstum soweit abgeflacht, dass schon in wenigen Tagen die Neuinfektionen auf Null zurück gehen könnten und in einigen Wochen das Land quasi Corona frei wäre. Selbst im Ursprungsland der Pandemie, in China, gehen die Neuinfektionen zurück.

Ob nun Maßnahmen wie die in Italien, Belgien und Frankreich bereits geltenden Ausgangssperren erfolgreich sein werden, lässt sich frühestens in ein bis zwei Wochen abschätzen. So oder so werden die Bürger ein Stück weit ihre Freiheit aufgeben müssen. (Macwelt)