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Telekom gibt erneut Gewinnwarnung für 2007 aus

29.01.2007
Der scharfe Wettbewerb im deutschen Festnetz und die sinkenden Mobilfunkpreise haben die Deutsche Telekom erneut zu einer Gewinnwarnung veranlasst. Konzernchef René Obermann will mit höheren Investitionen kontern.

Für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) korrigierte der Vorstand die Prognose für 2007 auf 19 Milliarden Euro. Das seien 0,7 bis 1,2 Milliarden Euro weniger als bisher geplant, teilte der größte europäische Telekommunikationskonzern am Sonntag überraschend in einer Pflichtmitteilung in Bonn mit.

"Durch den weiter aufgeheizten Wettbewerb im Festnetz und im Mobilfunk müssen wir zusätzlich investieren", sagte Telekomchef René Obermann auf einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz. "Das Umfeld bleibt schwierig." Für Deutschland habe die Telekom eine "deutlich veränderte Markteinschätzung als noch im Herbst". International rechne der Konzern unverändert mit Wachstum in den USA, Großbritannien und Osteuropa, betonte Obermann.

Prognose bereits im August 2006 gesenkt

Bereits im August vergangenen Jahres hatte Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke die Ergebnisprognose gesenkt. Dieser Schritt löste nicht nur einen starken Kursverfall der T-Aktie aus, sondern führte wenige Monate später zu einem Führungswechsel. Nachfolger Obermann bekräftigte, dass die Kundenentwicklung im vierten Quartal den eingeschlagenen Weg zur Neuausrichtung der Telekom mit einer stärkeren Verzahnung der Festnetz- und Mobilfunksparte bestätigt habe. Vor allem habe der Konzern bei den direkt vermarkteten DSL-Anschlüssen Boden gut gemacht.

Insgesamt beliefen sich die Anschlussverluste im vergangenen Jahr im klassischen Telefonnetz (Schmalband) auf gut zwei Millionen Kunden. Bei den schnellen Breitbandanschlüssen verzeichnete das Unternehmen dagegen einen Zuwachs von gut drei Millionen auf 11,7 Millionen Stück.

Zusätzliche Investitionen

Obermann setzt jetzt auf zusätzliche Investitionen: Mit deutlich erhöhten Aufwendungen für Service und Marketing werde die T-Com unter Führung von Timotheus Höttges bei der Kundenbindung und -neugewinnung gestärkt, sagte er. Dieser Schritt wird den Gewinn aber entsprechend belasten. In der Summe der Effekte und Maßnahmen erwartet der Vorstand in der Sparte Festnetz/Breitband beim EBITDA Einbußen von 0,8 Milliarden Euro. "2007 müssen wir mehr investieren als geplant, um unseren Anteil am Breitbandwachstum zu sichern und die Marktführerschaft im Mobilfunk zu behaupten", sagte er.

Beim Konzernumsatz, der 2006 mit voraussichtlich 61,3 Milliarden Euro leicht unter Erwartung lag, rechnet der Telekom-Chef in diesem Jahr mit einem moderaten Anstieg. Ergebnisbelastungen von insgesamt rund 400 Millionen Euro erwartet die Telekom 2007 auch im Mobilfunk unter anderem durch neu angesetzte Wechselkurse und den Preisdruck auf dem deutschen Markt.

T-Com soll Marktposition ausbauen

Zielsetzung der T-Com sei es, im Festnetzgeschäft und vor allem im boomenden Breitbandbereich ihre Markposition auszubauen. Die Telekom halte deshalb auch am Ausbau des superschnellen VDSL-Netzes fest, das derzeit in 50 deutschen Städten aufgebaut wird mit einem Investitionsvolumen von rund drei Milliarden Euro. Eine genaue Prognose zur Kundenzahl wollte der Telekom-Chef nicht abgeben. Früher hatte der Konzern noch von bis zu einer Million Kunden zum Jahresende 2007 gesprochen. Obermann machte sich erneut für Internet-Fernsehen (IPTV) stark, das die Telekom mit ihrem Produkt "T-Home" vermarktet. Er räumte ein, dass beim Start nicht alles nach Wunsch verlaufen sei. Aber "T-Home ist ungeachtet aller Kinderkrankheiten ein tolles Produkt, das sich durchsetzen wird."

Im Ausland bleibt weiterhin T-Mobile USA die Wachstumsmaschine des Konzerns: Die Tochterfirma steigerte die Teilnehmerzahlen im vierten Quartal 2006 auf 900.000, womit der gesamte Kundenbestand erstmals die Marke von 25 Millionen überschritt. Damit nähert sich die umsatzstärkste Mobilfunkfirma im Telekom-Verbund inzwischen ihrer deutschen Schwesterfirma mit mehr als 30 Millionen Kunden an.

Das aufgelegte Programm zur Kostenreduzierung sei 2007 auf gutem Weg, Einsparungen von zwei Milliarden Euro zu erreichen, betonte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Insgesamt seien bis zum Jahr 2010 weiterhin Kosteneinsparungen von bis zu fünf Milliarden Euro im Vergleich zum Jahr 2006 angestrebt. An dieser Größenordnung habe sich nichts geändert, bekräftigte der Finanzchef.

Vorläufige Zahlen für 2006

Im vergangenen Jahr lag das bereinigte EBITDA im erwarteten Rahmen zwischen 19,2 und 19,7 Milliarden Euro. Der Free Cash Flow werde voraussichtlich mit 5,5 Milliarden Euro rund 500 Millionen Euro über Plan sein. Alle Geschäftsfelder werden 2006 ihre Ziele erreicht haben, betonte Eick. Der Vorstand plane für 2006 weiter eine Dividende mindestens in Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie. (dpa/tc)