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Telekom fordert Wucherpreis für DSL-Verkehr

27.08.2004

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM hat die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post aufgefordert, den Vorleistungspreis für die so genannte "Zuführung zum Internet-Service-Provider" (ZISP) um 20 bis 30 Prozent zu senken. Diese Entgelt fällt an, wenn der DSL-Verkehr vom DSL Access Multiplexer (DSLAM) über Leitungen der Deutschen Telekom zur eigenen Infrastruktur eines Internet-Service-Providers wie zum Beispiel AOL transportiert wird, also nicht um die Mietgebühr für die letzte Meile zum Endkunden. Der Regulierer muss bis Ende September über die neuen Vorleistungspreise entscheiden, die für alternative DSL-Angebote eine wichtige Rolle spielen. Während der VATM für die ZISP eine Senkung wünscht, hat die

Telekom bei der Regulierungsbehörde laut VATM eine Erhöhung um mehr als 130 Prozent beantragt. Sollten die Wettbewerbshüter einen solchen Preisanstieg genehmigen, würden sie, so der VATM, ihren Niederschlag in teureren Endkundenpreisen finden und die Marktentwicklung in Deutschland nachhaltig schwächen. Der aktuell geltende Preis beläuft sich auf 0,6325 Euro pro 10 Kbit. Ab Oktober will sich die Telekom 1,55 Euro je 10 Kbit genehmigen lassen.

Laut Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, ist die DSL-Vorleistung ZISP heute sowohl in Kombination mit T-DSL- als auch mit Resale-DSL-Anschlüssen das entscheidende und einzig verfügbare Zuführungsprodukt im bundesweiten DSL-Wettbewerb und die Nutzung für alle Privatkundenanbieter, die auf DSL-Anschlüssen der DTAG aufsetzen, zwingend notwendig. "Da der Ex-Monopolist weiterhin darauf beharrt, freiwillig keine Alternative in Form weiterer Bitstream-Produkte anzubieten und zur Durchsetzung solcher Angebote voraussichtlich zeitintensive Regulierungs- und Gerichtsverfahren anstehen, behält ZISP weiterhin eine weichenstellende Funktion für das Breitbandwachstum in Deutschland", warnt Grützner. Der Verband appelliert deshalb an den Regulierer, auch in Deutschland unverzüglich die Durchsetzung eines Bitstream-Access-Produktes vorzutreiben. Bitstream Access bietet alternativen Anbietern den Vorteil, über die vom jeweiligen Ex-Monopolisten

betriebenen DSL-Leitungen den direkten Zugang zum Endkunden zu bekommen und eigene High-Speed-Internetdienste anzubieten. Ein Netzbetreiber stellt dabei breitbandige Übertragungskapazität zwischen dem Endkunden und einem definierten Übergabepunkt im Netz eines weiteren Anbieters bereit. Dieser kann dann den kompletten Bitstream übernehmen und differenzierte Produkte mit eigener Wertschöpfung für den Endkunden generieren. (pg)