Telecom-Markt: Wettbewerber in der Hängematte

10.05.2002
Von Gerhard Holzwart
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - 1. Januar 1998 - da war doch was? Richtig, die vollständige Liberalisierung des deutschen TK-Marktes, von der jetzt viele - nicht nur die betroffenen Anbieter - enttäuscht sind. Während der Mobilfunk schon in den 90er Jahren einen wirtschaftlichen Siegeszug antrat und auch durch die aktuelle UMTS-Diskussion kaum an Zukunftsfähigkeit eingebüßt hat, sieht die Situation im Festnetz ernüchternd aus.

Hans-Willi Hefekäuser, Leiter des Zentralbereichs Ordnungs- und Wettbewerbspolitik der Deutschen Telekom AG, gilt gemeinhin als erbitterter Kämpfer in eigener Sache. Der gebürtige Rheinländer ist Insidern zufolge im Privatleben aber auch ein begnadeter Büttenredner im Kölner Karneval - eine Kenntnis, die dann gelegentlich dazu führt, dass sich der Beobachter bei manchen öffentlichen Einlassungen Hefekäusers zur deutschen Wettbewerbslandschaft im TK-Sektor tatsächlich ins Reich der Jecken und Narren versetzt fühlt. Das Problem ist nur: Der Telekom-Manager trifft, wenn auch nicht immer rhetorisch, dann doch häufig in der Sache ins Schwarze.

Erst vor wenigen Wochen war in Berlin im Rahmen einer hochkarätig besetzten TK-Konferenz des Wissenschaftlichen Institutes für Kommunikationsdienste (WIK) wieder ein solcher "Auftritt" Hefekäusers zu bewundern. Einiges, wenn nicht alles im deutschen TK-Markt laufe falsch, so der Telekom-Manager, - jedenfalls aus übergeordneten Regulierungsgesichtspunkten. Viele Konkurrenten seines Unternehmens würden Regulierung als "staatliche Aufholjagdgarantie für verschlafenen Wettbewerb" begreifen und instrumentalisieren. Mehr denn je herrsche Rosinenpickerei vor, würden sich die vollmundigen Herausforderer der Telekom nur auf die Ballungsgebiete konzentrieren, wo zahlungskräftige (Geschäfts-)Kunden, hohe Dichte der Anschlüsse und geografische Gegebenheiten wie kurze Netzanbindung halbwegs vernünftige Margen garantierten.

Preisverfall - aber nicht überall: Während Fern- und auslandsgespräche billiger wurden, verteuerten sich Anschlussgebühren und Ortsgespräche sogar leicht.   Quelle: Statistisches Bundesamt 

"Wir sehen niemanden bei den Ortsnetzanschlüssen im Bayerischen Wald, wir sehen niemanden bei den rund 1,9 Millionen Anschlüssen für sozial Schwache, und wir sehen niemanden, der breitbandige DSL-Anschlüsse in der Fläche anbieten will", machte Hefekäuser seine Zuhörerschaft gewohnt pointiert auf die seiner Meinung nach extreme Schieflage des Wettbewerbs aufmerksam. Will heißen: Fast immer wird auf die Netzinfrastruktur des Ex-Monopolisten zurückgegriffen, die dieser zu von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) genehmigten Preisen seinen Konkurrenten zur Verfügung stellen muss und wo diese dann ihr Glück mit wie auch immer gearteten Services und Angeboten versuchen. Hefekäusers wenig erbauliches Fazit lautete daher: "Wir haben es im deutschen TK-Markt mit einer ausgesprochenen Hängematten-Mentalität zu tun."