Gastkommentar/

TELEARBEIT: Klammheimlich ausgesperrt?

12.07.1996

Birgit Godehardt, Geschäftsführung TA GmbH, Düsseldorf

Wieso hat es das virtuelle Büro hierzulande so schwer? Unsere europäischen Nachbarn, voran Großbritannien, sind da schon viel weiter.

Sie favorisieren die Arbeit zu Hause, unterwegs oder in einem "Telecottage". Wenn ein mobiler Mitarbeiter einen Bürotag einlegt, sucht er sich in dieser "Hütte" eine freie Arbeitszone, klinkt sein Notebook ins Netz und gibt seine persönliche Telefonkennung ein.

Dann hat er dort seinen Arbeitsplatz, falls er nicht zu Hause individuell auf ihn persönlich zugeschnittenes Equipment benutzt. Mit alledem gehen Flexibilitätsgewinn und erhebliche Kosteneinsparungen einher.

Uns allerdings fällt es sehr schwer, so etwas in den persönlichen Alltag zu integrieren. In Deutschland wird beruflicher Erfolg noch gleichgesetzt mit einem großen, repräsentativen Büro in oder möglichst nahe der Chefetage.

Desk-sharing erscheint uns deshalb als Aufgabe eines ganz persönlichen Refugiums am Schreibtisch, wir ahnen bereits ein unmerkliches "Sägen am Stuhl", fürchten gar, langfristig nach dem Motto: "Aus den Augen, aus dem Sinn" klammheimlich aus dem Karrierekarussell ausgesperrt zu werden und den Job dann gänzlich zu verlieren.

Ängste und Mißtrauen lassen uns die Chancen, die wir hätten, wenn wir teilweise zu Hause arbeiten würden, nicht erkennen. Wir könnten den täglichen Stau vermeiden, private und berufliche Belange besser koordinieren, zeitliche Flexibilität und Freiräume nutzen - diese Liste hat nur Auswahlcharakter.

Das Interesse liegt aber auch auf Arbeitgeberseite: Deutlich höhere Produktivität bei sinkenden Bürokosten sind in vielen Telearbeitsprojekten nachgewiesen worden.

Die Chancen der Telearbeit für Unternehmen und Mitarbeiter sind offensichtlich. Wir müssen nur endlich anfangen, sie zu nutzen.