Technologie-Gap weitgehend aufgeholt, aber Marktanteilslücke bei Mikroelektronik

26.11.1982

AUGSBURG (pi) - Die "technologische Lücke", die viele Jahre zwischen den USA und der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Mikroelektronik bestand, ist "weitgehend" geschlossen. Diese Ansicht vertrat Dr. Ernst Hofmeister vom Siemens-Bereich Bauelemente beim ersten Augsburger Technologiegespräch. Allerdings, so der Siemensianer, bestehe hierzulande noch eine erhebliche "Marktanteilslücke".

Auf der Veranstaltung zum Thema "Mit Mikroelektronik zu neuen Märkten", die von der Industrie- und Handelskammer für Augsburg und Schwaben (IHK) durchgeführt wurde, waren sich die Teilnehmer darin einig, daß für die Bundesrepublik eine "rasche Durchdringung" der Industriegüter mit Mikroelektronik von größter Bedeutung sei.

Schon heute seien viele Branchen ohne Mikroelektronik kaum mehr und in fünf bis zehn Jahren überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig. Als Beispiel wurden dabei der Maschinenbau, die Straßenfahrzeuge, die Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik sowie Büro- und Datenverarbeitung genannt.

Diese Fünfergruppe beschäftige rund drei Millionen Menschen, deren Arbeitsplätze direkt von der Wettbewerbsfähigkeit der Produkte abhängen.

Auf der Tagung wurden zudem die Auswirkungen der Mikroelektronik auf die Personalqualifikation diskutiert. Hier kam Professor Dr. Hans-Jörg Bullinger vom Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation zu dem Schluß, daß insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung die betriebliche Ausbildung verstärkt werden müsse.

In vielen Unternehmen würde nämlich eine zügige Einführung der Mikroelektronik an der mangelnden Qualifikation der Mitarbeiter scheitern. Generell werde dann versucht, auf dem für Mikroelektronik-Experten leergefegten Arbeitsmarkt Personal zu finden und dies meist ohne Erfolg.