Google, Apple, Microsoft

Tech-Konzerne bleiben die begehrtesten Arbeitgeber

04.08.2020
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Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Informatikstudenten würden am liebsten in der IT-Industrie arbeiten. Die großen Automarken verlieren bei ihnen an Attraktivität. Corona hat allerdings die zuletzt hohen Ansprüche ein wenig gesenkt.
In München sind mit dem IBM Watson IoT Center, Microsoft, Google, Apple und Amazon etliche IT-Konzerne vertreten, für die junge Informatiker am liebsten arbeiten würden.
In München sind mit dem IBM Watson IoT Center, Microsoft, Google, Apple und Amazon etliche IT-Konzerne vertreten, für die junge Informatiker am liebsten arbeiten würden.
Foto: gguy - shutterstock.com

Im Februar befragten die Berliner Marktforscher des Trendence Instituts wie in jedem Jahr 60.000 Studierende, darunter 7.886 der Informatik-Fachrichtungen, zu ihren Vorstellungen rund um den Berufseinstieg. Welche Arbeitgeber sind attraktiv, was erwarten sie vom ersten Job und wie hoch muss das Einstiegsgehalt sein?

Die US-amerikanischen Tech-Konzerne, angeführt von Google, stehen weiter ganz oben auf der Wunschliste. Zu den Gewinnern gehören in diesem Jahr Apple und Adobe. Der iPhone-Hersteller betreibt hierzulande 15 Stores, beschäftigt gut 2.500 Mitarbeiter, im "Bavarian Design Center" in München forschen 300 Ingenieure an stromsparenden Chips.

Hohe Erwartungen: 50.200 Euro als Einstiegsgehalt

Der Informatikernachwuchs legt Wert auf spannende Aufgaben, gute Entwicklungsmöglichkeiten, sympathische Kolleginnen und Kollegen sowie ein hohes Einstiegsgehalt. Letzteres ist für 96 Prozent das wichtigste Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Im Schnitt ­rechnen die Informatiker nach Abschluss ihres Studiums mit einem Bruttojahresgehalt von 50.200 Euro, 2019 waren es 48.700 Euro, 2018 noch 47.900 Euro. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass ihre Wochenarbeitszeit sinkt.

Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah sagt: "Die Schere zwischen erwarteter Wochenarbeitszeit und erwartetem Jahresgehalt geht auseinander. Nicht sonderlich verwunderlich, bei einer nach wie vor begehrten Zielgruppe." Die ITler wissen um ihren Wert, wurden aber durch Corona auch getroffen. So gaben 40 Prozent der IT-Studierenden im Trendence Corona HR Monitor an, dass sie sich unsicher fühlen bezüglich ihrer beruflichen Zukunft nach dem Studium.

Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence: "Wer aktuell IT-Studierende sucht, könnte gute Chancen haben. Nur 12,5 Prozent der abschlussnahen IT-Studierenden gaben an, dass sie bereits eine feste Arbeitsplatzzusage haben."
Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence: "Wer aktuell IT-Studierende sucht, könnte gute Chancen haben. Nur 12,5 Prozent der abschlussnahen IT-Studierenden gaben an, dass sie bereits eine feste Arbeitsplatzzusage haben."
Foto: Trendence

Kaum Jobzusagen vor Studienabschluss

Während vor Corona das Gros der IT-Studenten noch vor dem Examen mindestens eine Jobzusage in der Tasche und oft auch die Wahl zwischen Angeboten mehrerer Arbeitgeber hatte, scheint sich das Blatt zu drehen, so Ullah weiter: "Wer aktuell IT-Studierende sucht, könnte gute Chancen haben. Nur 12,5 Prozent der abschlussnahen IT-Studierenden gaben an, dass sie bereits eine feste Arbeitsplatzzusage haben. 37 Prozent informieren sich gerade zu Jobmöglichkeiten, und 54 Prozent schätzen ihre Perspektiven schlechter ein als vor der Krise. Hier kann sich für Unternehmen eine antizyklische Recruiting-Strategie auszahlen."

Die Marktforscher von Trendence rechnen aber nicht damit, dass infolge der Coronakrise die Nachfrage nach IT-Talenten einbrechen wird. In den zurückliegenden Monaten haben sich gerade die IT-Konzerne oftmals gut geschlagen. Unternehmen, die Videokonferenzsysteme oder Tools für die digitale Zusammenarbeit entwickeln, gehören zu den Krisengewinnern.

Autobauer sinken in der Gunst der ITler

Allerdings zeichnet sich eine Verschiebung auf dem IT-Arbeitsmarkt ab. Das vor Corona erhobene Ranking der Wunscharbeitgeber zeigt, dass IT-Studierende Autobauer und deren Zulieferer, aber auch Elektrotechnik- und Maschinenbaufirmen nicht mehr so attraktiv finden. BMW, Daimler, Volkswagen, Audi - sie alle ­haben Plätze eingebüßt. Nur Porsche konnte sich vom 13. auf den achten Rang vorarbeiten. Diese Entwicklung weg von klassischen Industrien dürfte von der Coronakrise weiter beschleunigt werden. Den "Trendence Corona HR Monitors" zufolge gehen die Studierenden davon aus, dass diese Branchen neben Tourismus und Luftfahrt "deutlich negativ von der Krise betroffen sind".

Porsche hat als einziger Autobauer in der Gunst der Informatiker zulegen können.
Porsche hat als einziger Autobauer in der Gunst der Informatiker zulegen können.
Foto: REALTALE GmbH

Das hilft nicht zuletzt den spezialisierten IT-Beratungs- und Systemhäusern, die sich in den vergangenen Jahren ohnehin schon ein besseres Image bei den Absolventen aufgebaut hatten. MSG Systems, Materna und Sopra Steria gehören zu den Gewinnern. Diese Firmen belegen zwar keine vorderen Plätze im Ranking, ihr Bekanntheitsgrad stieg aber merklich im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Handel wirbt weiter intensiv um IT-Talente und gründet dafür teilweise sogar eigene Unternehmen aus. Rewe Digital und Oetker Digital sind zwei Beispiele: Die Konzerne wollen mit Startup-Atmosphäre beim Nachwuchs punkten.

Öffentlicher Dienst als sicherer Hafen?

Im Ranking verbessert hat sich auch der öffentliche Sektor. In den Top 20 finden sich gleich vier Institutionen aus dem Public-Bereich: BSI, Fraunhofer, BND und DLR. Der Wermutstropfen hier ist, dass öffentliche Arbeitgebern im Forschungsbereich oft nur befristete Verträge bei unterdurchschnittlichen Gehältern anbieten. Interessante Aufgaben und ausreichend Freizeit machen dieses Defizit aber aus Sicht mancher Bewerber wieder wett. ­Öffentliche Arbeitgeber wie Bundesdruckerei, BWI, ITZ-Bund oder DRB Bund gehen seit ­längerem aktiv auf Talente zu. Corona könnte ­ihnen die Arbeit erleichtern, glaubt Trendence-Chef Ullah: Arbeitsplatzsicherheit sei plötzlich für viele Informatiker wieder ein wichtiges Thema.

Trendence traut sich einen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu: "Tech-Konzerne werden weiter Top-Talente anziehen. Aber vor die Wahl ­gestellt, in einer IT-Beratung oder für einen ­öffentlichen Arbeitgeber mit der damit verbundenen Sicherheit (eventuell sogar Verbeamtung) zu arbeiten, könnten sich künftig mehr angehende IT-Experten für öffentliche Institutionen entscheiden. Der Neueinstieg des Bundesamtes für Verfassungsschutz in das Ranking auf Platz 41 unterstreicht dies."