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Tag drei: Bill Gates bringt seine Aussage zu Ende

25.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsofts Gründer, Chairman und Chief Software Architect Bill Gates brachte gestern den dritten und letzten Tag seiner Aussage im Restkartellprozess gegen den Softwarekonzern hinter sich. Dabei brachten die Anwälte der klagenden neun Bundesstaaten ein interessantes Thema aufs Tapet - die extrem modularisierte Embedded-Version von Windows XP nämlich.

Ob diese nicht genau das darstelle, was nach Darstellung von Gates und anderen Microsoft-Verantwortlichen ein Ding der Unmöglichkeit darstelle, nämlich ein "nacktes" Windows-Betriebssystem ohne die Konkurrenz ausbootende Middleware, wollte Anwalt Steven Kuney von Gates wissen. Dieser antwortete: "Ja und Nein". Windows XP Embedded könne zwar im Prinzip auch auf einem normalen PC installiert werden, allerdings mit einer mehr als gravierenden Einschränkung. "Sie können aber danach kein Programm nehmen, es installieren und laufen lassen."

In seiner schriftlichen Aussage hatte Gates zuvor angegeben, Embedded sei "kein Allzweck-Betriebssystem", sondern stattdessen konzipiert, "auf einem zweckbestimmten Gerät wie einem Geldautomaten oder einer Ladenkasse zu laufen". Im Zeugenstand führte er nun weiter aus, dass man im Prinzip mit der Spezialversion alles nachbauen könne, was das Desktop-Betriebssystem Windows XP auch beherrsche - mit Ausnahme eben des Installers.

Zum Abschluss seines Auftritts appellierte Gates nochmals an Richterin Colleen Kollar-Kotelly, nicht das von Bundesstaaten geforderte Strafmaß gegen Microsoft zu verhängen. Das würde die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Unternehmens zu "zehn Jahren Tiefschlaf" verdammen, warnte der Unternehmenslenker. Vor dem Gerichtsgebäude wartenden Reportern sagte Gates anschließend, er sei froh, dass er die Gelegenheit gehabt habe, dem Gericht seine Sicht der Dinge darzustellen. Microsoft nehme die Angelegenheit sehr ernst und wolle die Sache aus der Welt schaffen. (tc)