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Swisscom bricht Übernahmegespräche mit Eircom ab

05.12.2005
Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom hat die Übernahmegespräche mit seinem irischen Wettbewerber Eircom abgebrochen.

"Unter den gegebenen Umständen sieht Swisscom keine Möglichkeit für eine Übernahmeofferte", teilte der Konzern in Bern mit. Die Regierung als Hauptaktionär hatte sich zuvor gegen eine Expansion der Swisscom ins Ausland ausgesprochen.

Mit Zukäufen im Ausland wollte die Gesellschaft dem Umsatzrückgang auf dem Heimatmarkt entgegenwirken, der aus dem verschärften Wettbewerb resultiert. Vorstandschef Jens Alder unterstrich in einer Telefonkonferenz die Notwendigkeit von Akquisitionen: "Das Schweizer Geschäft kann ohne Auslandsgeschäft nicht alleine bestehen". Er sei daher sehr betroffen von der strategischen Kehrtwende, die der Bundesrat "über Nacht" getroffen habe. Lange Zeit hatte der Staat den Expansionskurs der Swisscom unterstützt.

Die Regierung befürchtet nun, dass durch eine Expansion ins Ausland finanzielle Risiken auf den Staat zukommen könnten. Der Bundesrat hatte daher in der vergangenen Woche angekündigt, der Swisscom bis Weihnachten neue strategische Rahmenbedingungen vorzugeben. Das Unternehmen ist zu 66,1 Prozent in Besitz des Staates, der sich allerdings von dem Aktienpaket vollständig trennen will.

Auf Grundlage der neuen Vorgaben will die Konzernführung eine neue Strategie erarbeiten. Mit dieser solle das langfristige Wachstum der Gruppe gesichert werden, sagte Vorstandschef Alder. Einen Rücktritt lehnte er trotz des gestörten Verhältnisses mit der Regierung vorerst ab.

Swisscom und Eircom hatten Anfang November Übernahmeverhandlungen bestätigt. Der Preis und die Konditionen seien bereits abgesprochen gewesen, sagte der Präsident des Verwaltungsrates, Markus Rauh. Er sei "enttäuscht und irritiert" darüber, dass die Swisscom über Nacht zu einem Risiko für den Staat gemacht werde. Immerhin habe die Gesellschaft dem Staat in den vergangenen Jahren zehn Milliarden Franken als Dividende überwiesen. Der Kauf von Eircom hätte laut Medienberichten bis zu drei Milliarden Euro gekostet. Laut früheren Angaben aus Kreisen hatte Swisscom zudem einen Erwerb der niederländischen KPN und der dänischen TDC geprüft. (dpa/tc)