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Supreme Court entscheidet über Filesharing-Zukunft

20.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bereits am heutigen Montag könnte der oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) eine weit reichende Entscheidung über die Zukunft von Online-Tauschbörsen fällen. Das Gericht hatte im Dezember einen Antrag von Vertretern der amerikanischen Film- und Musikindustrie angenommen, die bisherigen Urteile zum Thema Filesharing zu prüfen (Computerwoche.de berichtete). Bis Ende Juni müssen die Richter spätestens zu einem Urteil kommen, möglicherweise auch schon früher.

Die Musik- und Filmindustrie erhofft sich von der Wiederaufnahme der Fälle eine Entscheidung, inwieweit die Betreiber von Peer-to-Peer-Software für Copyright-Verletzungen ihrer Nutzer haftbar gemacht werden können. Indirekt steht allerdings auch zur Debatte, wie sich Urheberrecht und technischer Fortschritt künftig in Einklang bringen lassen.

Als letzte Entscheidung von ähnlicher Tragweite hatte sich das Supreme Court im 1984 erlassenen "Betamax-Urteil" festgelegt. Damals hatte der Filmproduzent Universal City Studios den Hersteller Sony verklagt, weil sich mit Sony-Videorekordern illegale Kopien von Filmen herstellen ließen. Die Richter kamen dabei zu der Feststellung, dass die Hersteller nicht für die von Kunden begangenen Urheberrechtsverletzungen haften, wenn sich das Produkt im Wesentlichen auch für legale Zwecke eigne.

Es sei kein Zufall, dass Technologiefirmen in der Zeit danach ein unerwartetes Wachstum verbucht hätten, zitiert der Branchendienst "Cnet" Hank Barry, Partner beim US-Risikokapitalgeber Hummer Winblad und mehrjähriger Napster-Chef. Die Filmstudios und Musik-Label warnen dagegen, dass die P2P-Softwareanbieter sich auf ihre Kosten bereichern würden, da sie ein parasitäres Geschäftsmodell verwenden. (mb)